
Wien - Klaus Albrecht Schröder eliminierte, nachdem er zum Direktor berufen worden war, die Graphische Sammlung aus dem Titel der Albertina. Die Strategie, das Bauwerk als Synonym für das Museum zu verwenden, übernahm nun seine neue Konkurrentin Agnes Husslein-Arco: Aus der Österreichischen Galerie wurde schlicht das Belvedere.
Das dezent in Rot und Weiß gehaltene Balkenlogo von Peter Baldinger symbolisiert daher nicht so sehr die Geschichte des Museums (die ehemalige Staatsgalerie wurde als Gegenstück zu den kaiserlichen Sammlungen vom Bürgertum getragen), sondern - laut Pressetext - "die imperiale Herkunft des Hauses". Auf diese ist auch Schröder stolz. Im Gegensatz zum Albertina-Chef, dessen Vorliebe weniger der Grafik, sondern dem Gemälde gilt, will Husslein aber das Profil ihres Museums schärfen: Sie postuliert das Belvedere als das "Kompetenzzentrum für österreichische Kunst im internationalen Kontext".
Der Presse stellte sie sich am Donnerstag vor einem aufgeblasenen Gartenbild von Gustav Klimt. Ihr lila Jäckchen harmonierte perfekt mit den lila Blumen. Die Wiese steht als Metapher: einerseits zusammen mit dem Slogan "Das Belvedere blüht auf" für die Aufbruchsstimmung, die seit Jänner im Palais herrscht. Und andererseits für Hussleins Schau Gartenlust, die zu Frühlingsbeginn am 21. März eröffnet wird - in der bis dahin von Susanne Zottl zum White Cube umgebauten Orangerie, die in der Barockzeit exotische Pflanzen beherbergte.
In den letzten Jahrzehnten war dort das Mittelalter untergebracht. Für diesen Sammlungsbestand wird der Prunkstall von Wilfried Kühn in ein "Schatzhaus", ein Schaudepot, umgebaut (Eröffnung am 5. Juli). Die wichtigsten Exponate sind künftig, ab 10. Mai, im Oberen Belvedere zu sehen: Da sich das Palais kaum für Wechselausstellungen eignet, wird dort die gesamte Schausammlung konzentriert präsentiert - also auch inklusive des Barock (ab dem Herbst).
Dadurch bekommt Husslein das Untere Belvedere frei für temporäre Ereignisse. Ab 3. Oktober ist in den ebenfalls von Kühn adaptierten Räumen die als Publikumsmagnet konzipierte Schau Wien - Paris. Van Gogh, Cézanne und Österreichs Moderne zu sehen.
Zudem gibt es Neuerungen im Service: Ab 21. März ist montags nicht mehr geschlossen. Ein weiterer Shop wird eingerichtet. Und in den Löwenzwinger kommt ein Café.
Die Gegenwartskunst wird weiterhin im Atelier Augarten präsentiert (Markus Schinwald im Herbst) und in Form von Interventionen im Oberen Belvedere: Ab 28. März bespielt Gudrun Kampl das Stiegenhaus. Dort finden heuer doch noch Wechselausstellungen statt: zu Wotrubas 100. Geburtstag (ab 24. April) und zu Klimts Kuss (ab 1. Juli). (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.2.2007)