| Kultur/Medien | 10.07.01 | www.DiePresse.at |
AUSGESTELLT IN WIEN
Galerie Hans Knoll. Ein Prolog aus Papierschlangen.
Weiters: Plastilinfigürchen auf schlanken Podesten, eine Vorhanginstallation,
farbenfrohe Zeichnungen, Erdhaufen mit Geleetierchen, ein Monitor, auf dem ein
Hardcore-Video läuft, eine schicke karierte Wolldecke. So bunt, so gut, möchte
einer nach getanem ersten Blick vielleicht sagen.
Doch halt! Nett und adrett
haben es Alexander Brener / Barbara Schurz nicht gemeint, das verrät die Lektüre
der mitgelieferten Schildchen und Bildtexte. Man muß sich im Wiener Kunstkontext
etwas auskennen, um die nicht sehr lieben Anspielungen zu dechiffrieren:
Mini-Skulptur Nr. 1 erweist sich demnach als Kunsthallendirektor Matt, hoch zu
Podest; Kollege Schöllhammer liegt vis-à-vis selbstbewußt am Boden, als
gebogenes Kipferl-Würstel, geschützt und zugleich umwallt von einem
kritisch-roten Duschvorhang; Elke als Beecroft, Vanessa als Krystufek.
Demo-Szenen. Der Wiener Kultur- und Politfilz liefert allerdings bloß den Stoff,
aus dem das Künstlerpaar, das sich zum - zahlenmäßig recht kleinen - aufmüpfigen
Teil der hiesigen Kunstszene zählt, seine Allegorien webt. Drastisch, aber gut!
(VI., Esterhazygasse 29; bis 28. Juli).
Galerie Hohenlohe und Kalb. Die
Welt sei eine Wand. Die Welt befinde sich in einer kleinen Wiener Wohnung. Davon
handelt Jutta Strohmaiers Arbeit. Daß sie dafür tatsächlich zum Diaprojektor
greift, und aus dem weltweiten Netz geholte Bilder auf Miniaturlandschaften aus
Pappbecher, HiFi-Anlage und umgefallene Photoapparate projiziert, ist nicht nur
ein kluger Dreh, sondern auch der Kern ihrer Arbeit. Grenzen wollen
verschwimmen, die Welt wird zum Greifen nah. Möglich macht es die Technik, doch
ist sie nur Symbol - weniger allerdings für den Triumph über die Natur, sondern
mehr schon für Distanzen und Brüche. Die Kameralinse als Trennscheibe zwischen
Subjekt und Dingwelt. Das Projektorbild als weitere Zwischen-Instanz.
Effektvoll, aber didaktisch, daß im Mittelraum dann noch sieben Projektoren an
Drähten im Raum schweben. (I., Bäckerstraße 2; bis 18. Juli).
Galerie
Steinek. Schwulsein; die Überschreitung der Grenzen, die Homosexuellen von der
Gesellschaft bis heute auferlegt sind; Camp as Camp Can - diese Themenbereiche
erforscht Matthias Herrmann seit Jahren mit Photokamera und Selbstauslöser.
Stand bislang die Inszenierung und Exponierung der eigenen Person im
Mittelpunkt, rückt Herrmann in seinen neuesten Studiogroßformaten davon ab. Hier
läßt er männliche Models spielerisch solo hinter spanischen Kartonwänden
hervorlugen, in Grüppchen eine kleine Anmache spielen oder als Transvestiten im
schrillen Diven-Outfit auftreten. Begleitend sind diesen Szenarien Täfelchen
beigefügt, die Kunstwelt und aktuelle Innenpolitik persiflieren. Aber, bei aller
Professionalität der Studiobilder: Sich selbst übertrifft Matthias Herrmann um
vieles in den sensationell guten Arbeiten der kleinformatigen "Hotel"-Serie: mit
wenigen Requisiten, viel Spontaneität, sich selbst als Statist und ständig
wechselnden Kulissen dringt er im mythenschweren Ambiente der Hotelzimmer dieser
Welt zu jener Allgemeingültigkeit vor, die guter Kunst einfach eigen ist (I.,
Himmelpfortgasse 22; bis 27. Juli).