In einem scheinbar so spröden Fach wie
der Kunstgeschichte einen Bestseller zu verfassen ist schon schwierig
genug. Sir Ernst Gombrich hatte dieses Kunststück gleich zwei Mal
geschafft.
Kinderbuch
Am Anfang seiner Karriere standen zwei Geschichtswerke, die für Laien
geschrieben wurden und die seinen Ruf als außergewöhnlicher Pädagoge und
Kulturhistoriker begründeten. Nach seiner Promotion in Wien 1933 bekam er
einen ersten Auftrag - die Übersetzung eines englischen Geschichtsbuches
für Kinder. "Der Text war so schlecht, dass ich lieber selber alles neu
schrieb", erinnerte sich Gombrich anlässlich eines Interviews zu seinem
90. Geburtstag im Jahr 1999.
Seine "Weltgeschichte für Kinder" habe er dann "in sechs Wochen
hingeschrieben". 50 Jahre später wurde das Werk wieder neu aufgelegt und
ist in mehrere Sprachen übersetzt.
Tetralogie der Renaissance
Nach 1945 konnte sich Gombrich rasch als Renaissanceforscher einen
Namen machen. Er schrieb aber auch das Mittelalter und ikonologischen
Themen, oder über Karikatur und Cartoons. Ernst Gombrich hat die
Kunstgeschichtswissenschaft mit seiner Tetralogie zur Kunst der
Renaissance "Norm und Form", "Das symbolische Bild", Entdeckung des
Sichtbaren" und "Neues über alte Meister" entscheidend geprägt.
Lieblingsbuch
In monatelangen Gesprächen mit dem französischen Kunsthistoriker Didier
Eribon gab er Einblick in seine Entwicklung und sein Denken und grenzte
sich ab von bekannten Vertretern der ikonologischen Forschungsrichtung wie
Erwin Panofsky. Daraus entstand "Die Kunst, Bilder zum Sprechen zu
bringen". Am meisten Freude gemacht - "stolz kann man auf nichts sein" -
hat ihm sein Buch "Ornament und Kunst".
Bestseller
Sein zweites und inzwischen bekanntestes Werk, "Die Geschichte der
Kunst", entstand 1950 im Nachkriegsengland. Es ist immer noch ein
Bestseller und wurde 1995 zum 16. Mal neuaufgelegt. Seit seiner
Veröffentlichung hat das Buch über eine Million Käufer gefunden.
Als Gombrichs einflussreichstes Buch gilt "Kunst und Illusion", in dem
er Probleme des Bildermachens beschreibt. Zu seinen weiteren Publikationen
zählen auch "Die Krise der Kulturgeschichte", "Norm und Form", "Das
symbolische Bild", "Die Entdeckung des Sichtbaren" und "Neues über alte
Meister".