Es gibt Kollegen, die hätten ihn gerne in der Küche hängen, den Heiligen Onophrius, Inbegriff des Asketen: quasi als Vorbild und als psychische Barriere zu den leiblichen Genüssen. 60 Jahre lebte der Eremit schweigend in der thebäischen Wüste, ernährte sich nur davon, was das karge Land hergab, bedeckte seine Nacktheit bloß mit Blättern und Haaren. Zur Gesellschaft hielt er sich zwei Löwen, die bis zu seinem Tod bei ihm blieben.
Einen Heiligenschein verdiente er sich mit diesem gottgefälligen Verhalten, und Giovanni di Bartolomeo Cristiani (zweite Hälfte 14. Jahrhundert) lässt diesen in angemessenem Glanz erstrahlen: Dafür sorgt eine dünne Blattgoldschicht, die den Kopf von Onophrius umrahmt.
50 „Goldgrundbilder“ zeigen in der neuen Sonderausstellung des Liechtenstein-Museums die Entwicklungen der frühen italienischen Malerei, die – in ihrer Vorliebe für Pracht und Reichtum – in Anlehnung an die byzantinische Malerei entstanden ist. Der thematische Schwerpunkt der Schau liegt auf religiöser Malerei – immer wieder stößt man auf die klassischen Motive der Madonna mit Kind oder des leidenden Christus. Besonders eindrucksvoll ist etwa Naddo Ceccharellis „Christus als Schmerzensmann“ (1347): Die Abbildung des in sich gekehrten, still leidenden Christus diente vor allem der privaten Andacht.
Weihnachtlicher ist die Darstellung der stillenden Gottesmutter von Bartolomeo Vivarini (um 1450): Das an der Mutterbrust saugende Kind versinnbildlicht auch die Verbindung des Gottessohns mit der Menschheit auf Erden. Zur Jahreszeit passen auch Allegretto di Nuzis Altartäfelchen „Die Flucht nach Ägypten“ und die „Anbetung der Hirten“. In ihnen vereint sich die lineare Strenge der Florentiner Schule mit der Farbintensität der sienesischen Tradition. Sie gehören auch zu jenen Bildern, die aus der fürstlichen Sammlung stammen; der Großteil der ausgestellten Exponate sind Leihgaben der Pariser Galerie G. Sarti. Diese hat als Mitglied der „Elite Group of Fine Art Dealers“ finanziell dazu beigetragen, dass die Öffnungszeiten des Liechtenstein Museums nicht weiter eingeschränkt werden mussten. „Es hat sich gezeigt, dass unsere Werke perfekt in den Galeriebestand einzufügen sind“, sagte Ausstellungs-Kuratorin Alexandra Hanzl.
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