



Yves Klein 1961 in seinem Pariser Studio

Wien - Er ist "zwei Stunden lang um Che Guevara herumgetanzt" und saß mit Pablo Picasso und einer Musikkapelle im Hotelzimmer: Rene Burri machte sich ab Mitte der 50er Jahre als Pressefotograf einen Namen, arbeitete jahrzehntelang als Mitglied der renommierten Magnum-Agentur für internationale Printmedien. Sein Guevara-Porträt ging um die Welt, Revolutionen faszinieren ihn ebenso wie Kriegsschauplätze und Künstler. Das Kunsthaus Wien widmet dem gebürtigen Schweizer im Rahmen des Europäischen "Monats der Fotografie" von 18. November bis 20. Februar eine umfassende Retrospektive mit 400 Bildern aus vier Jahrzehnten.
Ab 1959 war Burri Vollmitglied von Magnum und bereiste für zahlreiche Reportagen die Welt. Seine erste Veröffentlichung hatte er als 22-Jähriger mit einer Reportage über eine Gehörlosenschule; für Aufsehen sorgte 1962 sein Bildband "Die Deutschen", den er bis in die 90er Jahre stets erweiterte. Die Ausstellung im Kunsthaus lässt Burris Schaffen in Kapiteln Revue passieren, von den Anfängen als Schüler Hans Fislers bis zu seinen Künstler-Porträts und Kriegsfotografien.
"Ich habe sechs Jahre lang versucht, an Pablo Picasso heranzukommen", erinnerte sich Burri bei der Presseführung am Mittwoch. "Dann habe ich ihn eines Tages in einem Hotelzimmer getroffen, wo er gerade eine Musikkapelle dirigierte." In den folgenden Jahren lichtete er den Spanier in seinem Atelier oder beim Abendessen ab, und beobachtete durch sein Objektiv auch andere Künstler wie Le Corbusier, Yves Klein oder Alberto Giacometti bei ihrer Arbeit.
Nach Wien kam der 77-Jährige gut gelaunt - mit schwarzem Hut, Schal und, wie sollte es auch anders sein, einer Kamera um den Hals. Seine aktive Zeit als Fotograf ist vorbei, stattdessen widmete er sich in den vergangenen Jahren Buchpublikationen und Ausstellungen. So richtig ablegen will er die Kamera aber nicht. "Ich hatte damals bei Aufträgen immer drei oder vier Leicas extra für meine eigenen Fotos mit", erzählte Burri vor Journalisten. Die Retrospektive soll beide Seiten Burris vereinen: die des Presse- und die des privaten Autorenfotografen. "Burri ist als Fotograf nie in die üblichen Fallen getappt", so Hans-Michael Koetzle, Kurator der Schau, "seine Bilder waren immer politisch aber auch formal anspruchsvoll; immer ästhetisch aber mit politischem Hintergrund."
Kunsthaus-Kurator Andreas Hirsch betonte vor allem, dass Burri "über Jahrzehnte hinweg einen anderen Blick als seine Kollegen" auf das Geschehen warf. Am deutlichsten zeigt das der eigene Raum der Kriegsfotografien. Keine Schockfotos, keine Leichen oder Verwundeten sind auf den Bildern zu sehen. "In gefährlichen Situationen wollte ich mich zurückziehen und das Ganze aus einer anderen Perspektive zeigen", so Burri bei der Presseführung. Seine Fotografien zeigen Panzer in der Wüste, zerstörte Häuser - "eine Apokalypse mit surrealen Vorzeichen" ist im Begleittext zu lesen. "Natürlich 'musste' ich dorthin, die Kriegsstimmung war wie eine Droge", so Burri. "Viele haben mit ihrem Leben bezahlt, ich habe das auf eine andere Art gemacht." (APA)
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