Kultur/Medien | 10.07.01 | www.DiePresse.at
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Schriftzeichen, Gott, Tod und Teufel

August Walla, "Weltbeschrifter", einer der Bekanntesten und Vielseitigsten der Gugginger Künstler, starb 65jährig.

Er stellte sich vor, daß die Himmlischen über den Wolken in kleinen, kugelförmigen Häusern wohnen. Sollte er nun in einem von ihnen sitzen, so tut er das als Beschützer der Menschen. August Walla war, nicht nur unter seinen Gugginger - von Leo Navratil betreuten - Kollegen, eine Ausnahmeerscheinung. Sein Weltbild war in sich abgeschlossen, von einer Art Privatmythologie oder -religion getragen.
An einer Wand im "Haus der Künstler" setzte er in den für ihn charakteristischen Schriftzeichen den Teufel neben Gott. Mit "heiligen Zeichen" benannte er seine Welt, in der dem Tod und den Toten große Bedeutung zuteil wurde. H bedeutete für ihn Hölle. Politische Embleme sah er so: das Hakenkreuz stand für Weiblichkeit, Hammer und Sichel für Männlichkeit. Eigentlich, so sagt sein Mentor Navratil, war Walla mit seinen früh ausgebildeten, markanten Markierungen ein Schriftkünstler.
Schrift und Zeichnung hatten für ihn eine analoge Bedeutung und waren wie sein übriges Repertoire bald festgelegt. Im Gegensatz zu Johann Hauser, der nur seinen Namen schreiben konnte, artikulierte Walla durch seine Schriftbilder auch in deren Anordnung seinen Kosmos. In diesem verstand er sich selbst als "Allende Gott". Als solcher suchte er sich beharrlich, kontinuierlich einzuzimmern - fest verankert in einem selbstgeschaffenen System aus Katholizismus und dessen Adaption, sozusagen für den persönlichen Gebrauch. Seine Angelpunkte lagen zwischen "Weltallendetot" und "Weltallendesabaot Walla". Tod, Gott und Teufel spielten dabei ineinander.
Auf einer seiner Zeichnungen tanzt eine Figur über einer Kugelform. "Ewig Heizkugel?" schrieb er darunter. Die "Ewigkeitskugel" symbolisiert Wallas Lebensphilosophie allgemein. Über sie hat er sich in unser Gedächtnis nachhaltig eingeschrieben.K. S.

© Die Presse | Wien
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