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02.04.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung
Ausstellung: Abtauchen in die Traumzeit
Kunst der australischen Aborigines zeigt die Sammlung Essl in der Ausstellung "Spirit & Vision".

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imils sind dünne Geister, die den Wind fürchten. Den Men schen vermitteln sie Wissen, manchmal entführen und töten sie sie aber auch. An der Außenseite der Rotunde im II. Stock des Klosterneuburger Essl-Museums sind vertikale Linien zu sehen. Im Inneren, Speere, ein Hund, Bumerangs und ausgehöhlte Holz-Röhren: Zwei Jahre nach der Erd-Bestattung werden die Knochen der Toten in den schmalen Baumstämmen beigesetzt. Stimmengewirr wie von einem Fest, Musik erfüllt den Raum, das Didgeridoo dröhnt ungewohnt laut.

Komponist Karlheinz Essl jr. hat die Klang-Installation am Computer erarbeitet, nach einer Musik- und Mal-Performance sowie Aufnahmen aus dem australischen Busch: "Uluru" heißt die Kreation, das ist der Aborigines-Name für den magischen Berg Ayers Rock in Zentral-Australien.

Die säkulare westliche Welt füllt ihr religiöses Vakuum auf verschiedene Weise. Während derzeit Fundamentalismus moslemischer (und christlicher) Ausprägung im Vordergrund steht, läuft schon seit Jahrzehnten die Esoterik- und Ethno-Welle. In ihrem Fahrwasser erlebt "exotische" Kunst einen Boom. Das war schon früher so, denkt man an "Japonisme" oder "Ägyptomanie". Heute freilich ermöglicht der Massen-Tourismus viel mehr Menschen, sich ein Bild von der Herkunft solcher Kunst zu machen.

Seit den achtziger Jahren steigt das Interesse an Kunst der Aborigines, sie gilt heute als die bedeutendste Kunstrichtung Australiens, die Preise sind stark gestiegen. Auch Kunsthandwerk der Aborigines ist beliebt.

Für die australischen Ureinwohner ist die kreative Tätigkeit auch ein Fluchtpunkt, sie erlitten ein ähnliches Schicksal wie die Indianer. Von einem Holocaust spricht der Katalog der Ausstellung im Essl-Museum: "In den ersten fünf Jahrzehnten des weißen Mannes waren drei Viertel der Stammesbevölkerung umgebracht worden." Die Integration der Aborigines funktioniert bis heute nicht recht. Umso beliebter ist ihre Kunst bei Galerien, Museen in Amerika, England und Asien. Dabei sind Übersetzung, Transfer gar nicht leicht, denn es gibt nur mündliche Überlieferung. Bemalt werden Körper, Baumrinden, man zeichnet Linien in den Sand, graviert Felsen. Heute bedienen sich Aborigines auch der "klassischen" Medien, von der Malerei bis zum Video.

Viele Aborigines-Künstler beschäftigen sich mit Variationen traditioneller, meditativ wirkender Sujets. Ihre Arbeiten dominieren die Ausstellung. Andere variieren Abstraktion, Pop Art. Oft klingen Verfolgung, Gewalt an. Was auffällt: Eine unheimliche, teils kultische, teils mit Horror-Motiven arbeitende Fotoserie von Destiny Deacon, ironisch konterkariert von einer Maske, auf der steht: "Trust me! I am a witch doctor"; die drei Schwestern Petyarre mit ihren Variationen der "Wüstenteufeleidechse"; ein surreales Selbstporträt von Julie Dowling.

Zweimal hat Karlheinz Essl Australien bereist. Nun zeigt er seine Erwerbungen (nebst einiger Leihgaben) aus der Welt der "Dreamtime", jener Urzeit, in der nach Vorstellung der Aborigines das Leben entstand. Die Götter schufen Land, Himmel, Wasser, die Regenbogenschlange Leben, den Menschen. Eine Idee, die Gott und die Evolution verbindet. Ahnen und Natur dominieren bis heute die Kultur der Aborigines.

(bis 29. 8. Di-So 10-19, Mi 10-21h, Eintritt: 6 €, Katalog: 32 €, sammlung-essl.at).

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