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vom 17.08.2007 - Seite 019
"Grand Tour" der

Kunst stimmt traurig

Als "Grand Tour" der Kunst war es angekündigt worden, ein Spezialereignis der internationalen zeitgenössischen Kunst, wie es nur alle zehn Jahre eintritt: In diesem Sommer sind sowohl die documenta in Kassel, die Biennale in Venedig wie auch das Skulpturenprojekt in Münster zu sehen.

Alle drei sind selbstverständlich besichtigenswert und werden ausgiebig und von großen Touristenmassen frequentiert. Aber sie führen vor allem ein klassisches Dilemma der zeitgenössischen Kunst vor Augen: Es reibt sich wenig bis gar nichts!

In allen drei Städten ist man stolz, besonders in Kassel und in Münster ist auch die Bevölkerung gut informiert und weist hilfesuchenden "Kunstschnitzeljägern" sofort den Weg - in einem volksfestartigen Reflex wird ein Spektakel inszeniert, das viele Gäste und daher viel Geld in die Stadt bringt.

Aber an allen drei Kunstspielstätten fehlt das Visionäre, das Aufregende und vor allem "jenes Etwas", das den Kunstbetrachter von einem wirklich großen Ereignis sprechen lässt.

Routiniert werden Künstlerpositionen in unterschiedlichste Ausstellungsplätze gesetzt, Kuratoren kombinieren diese Formulierungen mit eigenen Worten und versuchen wenig engagiert, Zusammenhänge zu proklamieren.

Besonders deutlich wird dieses Dilemma in Münster, wenn auf der einen Seite ein mehr als gut gemeintes Bemühen und auf der anderen Seite eine fast absurd anmutende Belanglosigkeit der künstlerischen Interventionen stehen.

Als freundlich Suchender im Feld der zeitgenössischen Kunst ist man traurig darüber, dass es jetzt gleichsam schon so weit ist: Man denkt zurück an vergangene Reibungsflächen, an Herausforderungen, die gerne angenommen wurden, weil in der präsentierten Kunst und den erfolgten Reaktionen Geheimnisvolles verborgen schien.

Die aktuellen Macher der documenta haben es perfekt "professionell" vorexerziert: Das Geheimnisvolle der Kunst ist in spielerisch dargebrachter Überheblichkeit inszeniert worden - große Andeutungen über viele Monate, halbfertige Projekte, alles wie ein Fluss -, und letztlich fließt alles vorbei, ohne nass zu machen.

Wieder einmal gewinnt ein Linz-erfahrener Betrachter dieser Kunstereignisse kulturelles Selbstbewusstsein. Oberösterreichbezogene Künstlerpositionen, wie Valie Export bei der Biennale bzw. Peter Friedl und Gerwald Rockenschaub bei der documenta oder Hans Peter Feldmann in Münster, sind bei diesen Großereignissen mit überzeugenden Präsentationen vertreten und werden prominent diskutiert. Außerdem trifft man vielfach auf altbekannte internationale Künstlerpositionen, insbesondere der Landesgalerie und OK-Ausstellungen der letzten Jahre.

Und: Es tut gut, dass es in Linz und Oberösterreich eine Geschichte des Festivals der Regionen, der Ars Electronica, des Forums Metall etc., aber auch des Pflasterspektakels gibt - im Hinblick auf das Kulturhauptstadtjahr 2009 ist viel Erfahrung gesammelt worden, um nunmehr bewusst einen Schritt weiter gehen zu können - auf mehr als heuer bei der "Grand Tour" gezeigtem internationalen Niveau.

"Kassel, Venedig, Münster führen das Dilemma der zeitgenössischen Kunst vor Augen: Es reibt sich wenig bis gar nichts.}


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