Das Böse ist auch eine Kunst
ERNST P. STROBL Wien (SN). Blut kann auch dann entsetzlich sein, wenn es sich als schwarze Lacke auf einem Schwarz-Weiß-Foto um ein Mordopfer ausbreitet. Als von keinen Hemmungen gebremster Fotograf von Mordopfern und Tätern hat der als Arthur Fellig 1899 bei Lemberg geborene „Weegee“ in New York Maßstäbe gesetzt. Eine Ausstellung über Street Photography wie im Wien Museum wäre ohne seine Momentaufnahmen menschlicher Abgründe nicht vollständig, und auch in der Kunsthalle Wien prägen die Bilder von Weegee die Schau „Fahrstuhl zum Schafott“ (bis 3. Mai). Der Ausstellungstitel ist dem berühmten Film von Louis Malle (1958) entlehnt, auch er spielt eine Rolle in dieser Konzeptschau rund um den New Yorker Künstler Banks Violette.
Mit seinen beiden großen Installationen eines zerberstenden Spiegels und eines brennenden Schlagzeugs ist zwar Banks Violette spektakulär und verweist durchaus sinnlich auf düstere Ereignisse, Gewalt und Chaos. Diese Ästhetisierung des „Bösen“ als soziokulturelles Phänomen ist ein wenig oberflächlich im Vergleich zu den artverwandten Kunstwerken in dieser Ausstellung. Dashiell Hammetts Roman „Der Malteser Falke“ (1930), wie in einer kleinen Kapelle in einer Vitrine ausgestellt, bildete die Vorlage für John Hustons „schwarzen“ Film, der Humphrey Bogart als hartgesottenen Detektiv weltberühmt machte. In einem Extraraum sind Ausschnitte zu sehen.
Ein weiterer „Noir“-Film ist gleich zweifach in der Ausstellung. Louis Malles „Fahrstuhl zum Schafott“ mit Jeanne Moreau ist auch akustisch prominent vertreten, in einem Raum kann man sich bei der Filmmusik von Miles Davis niederlassen. Blue notes und Trompetentöne, die fast Grusel erzeugen in ihrer Coolness und distanzierten Traurigkeit.
Von Weegees „kriminellen“ Fotogeschichten – übrigens zusammengestellt nach Titeln wie „Wrecks“, „Murder“ oder „More Murder“ nach einer New Yorker Ausstellung 1941 – kann man sich bei Graphitzeichnungen von Banks Violette geradezu erholen.Internet: www.kunsthallewien.at




















