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Designgalerie KlausEngelhorn22: "LUCE. Italienische Lichtobjekte"

Helmpflicht für Erleuchtete

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Betreten auf eigene Gefahr! Die Designgalerie KlausEngelhorn22 (Stubenring 22, - aha, deshalb 22) dürfte zurzeit eine ähnliche Erfolgsquote wie das Bermudadreieck haben. Das macht der gewagt lückenhafte Holzboden. Allerdings können da keine ganzen Menschen verschwinden, sondern nur Stöckelabsätze oder Kinderfüße. (Der Boden ist mit Paletten, nämlich solchen für den Gabelstapler, ausgelegt, und die haben bekanntlich ziemlich viel "Bodenlosigkeit" zwischen den einzelnen Brettern.) Noch origineller sind die Lampen, die hier abgestellt sind und wo das Licht beileibe nicht mehr so ist, wie Edison es schuf: "LUCE. Italienische Lichtobjekte aus den Jahren 1967- 1973." Nachgesagterweise waren das "gli anni d'oro", die goldenen Jahre des italienischen Designs. Bis 15. Februar.
Leuchten ist gesund: Die pharmakologisch aussehenden Dinger namens "Pillola" (von Cesare Casati) beheben rezeptfrei Mangelerscheinungen (Lichtmangel). Medizinisch ausgedrückt, schiebt man sie der Finsternis "hinten rein" (wie "Darmtorpedos", vulgo Zäpfchen), bzw. umgekehrt (also oral) werden sie vielmehr von der Dunkelheit verschluckt und leuchten dann im Dunkeln. Kurz: Lampen in Pillenform. Auch andere Ähnlichkeiten mit vertrauten Dingen des wirklichen Alltags oder des Traumurlaubs lassen sich hier schwer verleugnen: ein "Küchenmesser" zum Beispiel, hinter dem man einen komödiantisch veranlagten Designer vermuten darf, oder die Palme "San Remo".
Es gibt experimentelle, wagemutige und poppig bunte Stücke, sogar melodramatische Kreationen (für Leute mit mehr oder weniger bedenklichem Geschmack), und daneben puristische, markant geometrische "Glühbirnen- und Neonröhrenbehältnisse". Etwa der formvollendete minimalistische "Colt" von Enzio Grassi oder der senkrechte Strich im Raum - "Linea" von Nanda Vigo (kaum zu unterbietend abstrakt). "Arpa" (zu Deutsch: Harfe) von Alfredo Pizzo Greco: musikalisch ambitionierte und nur vermeintlich unscheinbare Marmorkugeln mit Schlitzen, denen man beim Drüberstreifen Klänge entlocken kann. Helmpflicht für Glühbirnen? Das zwar nicht, aber die mutmaßlichen Schutzhelme "Longobarda" (von Marcello Cuneo) stehen ihnen trotzdem verdammt gut. Und erst recht das Modell "Pileo" von Gae Aulenti: schnittig wie für futuristische Formel-1-Piloten (die vielleicht zukünftlerisch auf dem Mond Gas geben).
So richtig schön wird's aber dann, wenn man in den beinah pechkohlrabentiefschwarzen Keller abtaucht. Als wäre man bei den seltsamen Kreaturen der Tiefsee (nur herrscht hier halt weniger Luftfeuchtigkeit als in der Tiefsee). Filigrane, transparente Wesen. Leuchtskulpturen, die das Licht inszenieren. Da tut es wirklich nichts zur Sache, dass ihre Lichtstärke fast durchwegs das Prädikat "Funzel" verdient.

Erschienen am: 08.01.2002

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