13.10.2003 11:39
Ausschnitte der Wirklichkeit
Die
Galerie Chobot zeigt "Objekte und Leinwände" von Gottfried Ecker - Foto
Gottfried Ecker notiert Dingkonstellationen, die einzig
seinen Ansprüchen an Stimmigkeit und Brisanz - je nachdem - genügen. Die Galerie
Chobot zeigt neue Objekte und Leinwände. Eine eindeutige Trennung von
Vorgefundenem, bewusst oder auch zufällig Entdecktem und Konstruiertem, selbst
Zurechtgerücktem ist dabei kaum abzuleiten. Eine psychologische Interpretation
der Skizzen, Notate wie der zwangsläufig komplexeren Leinwände ist als
Rezeptionsverhalten ebenso irreführend. wie der Versuch der (kunst-)historischen
Einordnung letztlich nichts bringt. Gottfried Eckers Strukturanalysen und
-interpretationen sind Einsichten in eine prinzipiell dynamische Kategorie. Sein
Hinweis gilt dabei nicht dem gemeinsamen Prinzip hinter Lage und Verbindung der
einzelnen Teile, nicht dem Stimmungsgehalt einzelner
Objektkonstellationen.
Energie äußert sich als Vollzug der Verwirklichung
einer Möglichkeit - der Möglichkeit, sich dem Dasein der Dinge zu stellen,
festzuhalten, was bestimmt und bewegt, derart das eigene Sein im Kontakt mit dem
Gegebenen ringsum zu entwickeln. Letztlich sind Eckers Ausschnitte aus der
Wirklichkeit jeder für sich Angriffe wider ein ohnehin nur vermeintlich festes
Weltbild. Sehen erfordert die Bereitschaft, Zweifel an der eigenen Ordnung der
Dinge zuzulassen. (mm/DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2003)