Ungenaue Konturen auf Glas

"Ich werde immer in die 'Sexualität-Ecke' gedrängt, aber es geht um existenzielle Körpererfahrung", meint Isabelle Mühlbacher zu ihren Foto- und Videoarbeiten.


Die 1964 in Wien geborene Künstlerin Isabelle Mühlbacher ist ausgebildete radiologisch-technische Assistentin und hat sich nach, einer Teilnahme an der Salzburger Sommerakademie 1992 bei dem deutschen Fotografen Michael Schmidt, für einen Fotolehrgang bei Friedl Kubelka entschieden. Ihre fotografischen Arbeiten, die meist als Siebdruck auf Glas aufgezogen sind, überzeugen mit ihrer zerbrechlichen Körperlichkeit.

Frage: Sie stellen Ihre Arbeiten hier in einem Kontext aus, der zum Thema "Frauen: Körper-Sexualität" Fotografien unterschiedlicher Künstlerinnen zeigt. Welche Position nehmen Ihre Arbeiten im Rahmen dieser Ausstellung ein?

O. T., 2001
O. T., 2001

Isabelle Mühlbacher: Eine Arbeit ist ein mehrfacher Siebdruck auf Glas, die Projektionen darstellt. Ich stelle dabei quasi die Leinwand dar auf die mehrere Männerakte geworfen werden. Dieses Sujet wurde mehrfach abfotografiert und mittels Sieb auf Glas gedruckt. Dadurch entstehen die ungenauen Konturen, die die darüber und darunter liegenden Körper erahnen lassen.

Frage Inwieweit spielt Medizin in ihren Arbeiten eine Rolle?

Mühlbacher: Meine medizinische Erfahrung spielt immer wieder in die Arbeiten hinein. Es geht um Körperwelten wobei nicht immer die Frau im Mittelpunkt steht. Es geht auch um den kranken Körper oder der Blick in den Körper. Durch eine Athroskopie, kann man eine Linse ins Körperinnere einführen. Digital erscheint dann das Innere des Körpers auf dem Bildschirm. Diese Motive habe ich auch als Siebdrucke produziert.

Frage: Einige Arbeiten, die Sie während ihrer Ausstellung "Museion" bei Andreas Stalzer zeigten, waren Siebdrucke auf grünem Glas. Mich erinnerten dies ein wenig an die bearbeiteten Fotos von Eva Schlegel. Fühlen Sie ihrer Arbeitsweise verwandt?

Mühlbacher: Nur insofern, da Eva Schlegel ja auch mit Fundstücken und Fundusmaterialien arbeitet. Ich habe an meinem Arbeitsplatz Fotografien auf Glasplatten von Lorenz Böhler gefunden. Er war Pionier in der Unfallbehandlung und er hat um 1920 zirka 100 Fotografien von Verunfallten, Behinderten und Hermaphroditen aufgenommen. Er wollte ein Archiv von zu behandelten Menschen anlegen. Was man ihm dabei vorwerfen kann, ist dass er dazu nur Modelle aus der Arbeiterschicht verwendete. Ich habe aus dem Fundus mit rund zehn Stücken gearbeitet und diese ohne die darin enthaltenen Effekte weitergearbeitet. Ich wollte kein Gruselkabinett darstellen.

Frage: Wie haben sie diese Glasplatten von Lorenz Böhler verarbeitet?

Mühlbacher: Ich habe sie 1:1 auf Fotopapier abgebildet und dann immer wieder überschrieben oder überzeichnet und sie schließlich mit Siebdruck auf Glas fixiert. Ich habe versucht diese Verkrüppelungen durch vermehrtes Abfotografieren mit verschiedenen Linsen zu mildern.

Frage: Sie arbeiten auch mit Video. Welchen Stellenwert hat sie neben der Fotografie?

Mühlbacher Im letzten Jahr habe ich begonnen mit der Serie "16qm" die ich in verschiedenen Landschaften in verschiedenen Medien fortsetzen werde. Auch Grenzlandschaften würden mich interessieren. 2001 hatte ich 16qm in einem Eukalyptuswald in Portugal abgesteckt, mir eine Videokamera um den Bauch geschnallt und bin das eingegrenzte Territorium abgegangen. Dasselbe habe ich in einem dichten Lorbeerwald auf Madeira gemacht. Und in der jetzigen Ausstellung ist das Video von 16qm Schwimmen in einem Bergsee zu sehen. Es ist eine Endlosschleife. Und ich hab mir dafür die Kamera auf den Kopf gebunden. Ich sehe also bei der Videokamera nicht durchs Objektiv.

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