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| 13.06.2005 - Kultur&Medien / Kultur News | ||
| Biennale: Raus aus Peggys Badezimmer | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Erstmals stellten zwei Frauen die Sonderausstellungen für die Biennale in Venedig zusammen. | ||
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Der Unterschied könnte eklatanter nicht sein. Francesco Bonami ging bei
seiner 50. Biennale Venedig vor zwei Jahren in einer wirren
Materialschlacht aus elf Ausstellungen, 400 Künstlern und zwölf
Gastkuratoren mit Getöse unter. Heuer gelangen mit einem knappen Viertel
des Aufwands, mit nur 90 Künstlern, zwei wunderschöne, sinnliche,
humorvolle wie auch intelligente Biennale-Sonderausstellungen im Arsenal
und im Italienischen Pavillon. Zwei Frauen, wer sonst, konnten dieser ewigen
Biennale-Verführung zur Megalomanie widerstehen. Die ersten Direktorinnen
in der 110-jährigen Geschichte der Biennale, María de Corral und Rosa
Martínez. Durch einen Wechsel im Präsidium ungewöhnlich spät bestellt,
hatten sie nur ein halbes Jahr Zeit für die Vorbereitung. Zum Vergleich:
Ihr Nachfolger, US-Kunstkritiker Robert Storr, konnte bereits jetzt
beginnen, die Ausrichtung der 52. Biennale 2007 zu konzipieren.
Vielleicht war die Hektik ein Grund, dass keine großen
Würfe gewagt und keine bereits gesicherten Pfade verlassen wurden. Nur,
muss es krampfhaft mehr werden als solide, konsumierbar und erlebnisreich?
Das ist an sich schon beachtlich viel. Wie auch immer, die Wahl von
Martínez und de Corral war ein Glücksgriff. Sie beschlossen, nicht an
einer gemeinsamen Großausstellung zu arbeiten, sondern jeweils eine eigene
auf die Beine zu stellen. Beiden war dabei ihre Sonderrolle bewusst, was
sich in dem peinlicher Weise immer noch auffälligen halbwegs ausgewogenen
Gleichgewicht zwischen Künstlern und Künstlerinnen (von 91 sind immerhin
38 Frauen) äußert. Rosa Martínez leitet ihren "Immer ein Stück weiter"
benannten Teil im Arsenale sogar mit der altgedienten Einsatztruppe
"Guerilla Girls" ein, die auf Plakaten die Macho-Missstände im
Kunstbetrieb hinausschreien. So haben sie in der Sammlung des Guggenheim
Venedig zwar 18 Frauen gefunden, aber nur ein Werk war auch ausgestellt -
und zwar in Peggy Guggenheims Badezimmer. Nach dieser Holzhammer-Ouvertüre
- in der Raummitte hängt noch ein mächtiger Luster aus 1000 Tampons
von Joana Vasconcelos - setzt der elegante Rhythmus von Martínez'
Ausstellung ein: Alle Stellwände im lang gestreckten Arsenal sind
entfernt, man gleitet von weiträumigen Installationen zu großflächigen
Video-Projektionen. Auf dem überlebensgroßen Nilpferd "Hope" aus getrocknetem
Schlamm wird Zeitung gelesen, die polnischen "Blue Noses" lassen in
Kartonkisten halbnackte Pantoffelhelden kichernd ein gar nicht korrektes
Zirkeltraining absolvieren, Rem Koolhaas sinniert über das Wuchern der
Kunstmuseen, Mariko Moris bekanntes schillerndes UFO zieht genauso vorüber
wie gewundene Alu-Objekte von Louise Bourgeois und eine der
unvermeidlichen Performance-Müllhalden von John Bock. Alles bekannt und
doch noch nie so stilsicher miteinander kombiniert gesehen. Bis einem
Nikos Navridis den Boden wegzieht, indem er unter den Füßen bunten Abfall
per Videoprojektion vorbeisausen lässt. Während man noch den
selbstironischen Abgesang auf das Latino-Frauen-Klischee im Ohr hat - die
als Business-Lady gekleidete Pilar Albarracín schafft es in Madrid einfach
nicht, die "Viva España" trötenden Straßenmusikanten abzuschütteln -, kann
am Weg zu den Giardini noch über Martínez' augenscheinliche Abneigung von
Malerei nachgedacht werden. Andererseits benutzt sie das dazu, um der
einzigen vertretenen Malerin, der 2004 verstorbenen Istanbulerin Semiha
Berksoy, ein besonderes Denkmal zu setzen. Die perfekte Ergänzung zu diesem Konzept bietet María de
Corrals labyrinthische Gruppenschau "The Experience of Art" im
Italienischen Pavillon. Hier ist alles konzentriert auf die Tradition
innerhalb der Kunst, auf die Übereinstimmungen zwischen den Generationen,
auf das Weiterführen von Techniken wie Malerei, Skulptur, Fotografie und
Video. Schon vor dem Pavillon wird die Bandbreite klar: Während Monica
Bonvicini am Giardini-Eingang einen riesigen Steinblock zersägen lässt,
begleiten einen den Rest des Weges burleske Szenen in Bronze des
spanischen Bildhauers Juan Muñoz. Im Inneren folgen auf Francis Bacons fragmentierte Körper
die pathetischen Geschundenen von Marlene Dumas und die Retro-Interieurs
Matthias Weischers. Wichtig sein darf hier auch wieder einmal die
abstrakte Malerei, von Agnes Martin, Juan Hernandez Pijuane bis Bernard
Frize. Gleich neben einer Videoinstallation von Altmeister Bruce Nauman
trifft man auf den einzigen heuer aus Österreich zu den
Sonderausstellungen eingeladenen Künstler. Jun Yang, 1975 in China geboren
und seit seiner Kindheit in Wien lebend, macht sich in "Hero - this is we"
mit gegeneinander geschnittenen TV- und Spielfilm-ausschnitten auf die
Suche nach nationalen Identitäten. Überhaupt spielt Video hier eine große Rolle, weshalb
viel Zeit eingeplant werden muss. Doch man sollte nichts versäumen, weder
den ganzen Raum, den der unvergleichliche Erzähler William Kentridge hier
bespielen darf, noch Candice Breitz, die Hollywood-Stars wie Julia Roberts
und Harvey Keitel dirigiert, wie sie vorher wohl noch nie dirigiert
wurden. |
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