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Mit Ohrstöpsel zur Kunst
Documenta: Kassel vor der Schau: iPods sollen Besuchern Wege zu den Werken bahnen
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ROGER M. BUERGEL führt via iPod durch seine Documenta. (Foto: dpa)

 

Die 1001 Chinesen, die Aiweiwei, der Pekinger Künstler mit Wohnsitz in Berlin, als seinen Beitrag zur 12. Documenta nach Kassel holen und durch die Stadt laufen lassen will, waren am 12.06.2007 noch nicht da.

Im Park vor Schloss Wilhelmshöhe wurde gerade erst mit freiwilligen deutschen Helfern und schlichtestem Werkzeug der Reis gesetzt, der nach dem Willen des Künstlers Sakarin Krue-On im Verlauf dieser „Weltkunstausstellung“ reif werden soll.

Am 16.06.2007 wird eröffnet, und im Inneren der Stadt kann beim Rundgang zum Fredricianum, zur Documenta-Halle, zur Neuen Galerie und zum „Aue-Pavillon“, der einem überdimensionierten Gärtner-Glashaus ähnelt, bei letzterem wohl nur der hoffentlich hinreißende Inhalt versöhnen. Von außen wirkt dieser hässliche Koloss auch im fertigen Zustand wie eine Schändung der Grünflächen vor der barocken Orangerie.

Auch in der Documenta-Halle wird noch eifrig gewerkelt, doch war durch die vielen Glasscheiben schon zu sehen, dass es drinnen sehr bunt werden muss: Farbige Wände sind ein Signum dieser Schau. In der Halle soll ein Zentrum dessen entstehen, was Roger M. Buergel, der künstlerische Leiter dieser Documenta, zusammen mit seiner Lebensgefährtin und Documenta-Kuratorin Ruth Noack als grundlegendes Konzept entwickelt hat.

In der Documenta-Halle wird es die „Agora“ geben, einen Marktplatz der Meinungen. Denn die Bildung und die Vermittlung sollen Vorrang haben bei dieser Schau. Man müsse wieder zeigen, was Kunst ausmacht, hat Buergel gesagt: die „Beziehung zwischen den Kunstwerken und ihren Betrachtern“. Kunstvermittlung soll integraler Bestandteil dieser Documenta sein.

Die Angebote sind vielfältig. Da gibt es die Führungen. In den zwei Stunden mit „Kunstvermittler“ für Gruppen oder Einzelpersonen sind die Teilnehmer aufgefordert, durch ihre Fragen den Inhalt mitzubestimmen. Aktiv sollen auch die Schüler werden, die unter dem Titel „Die Welt bewohnen“ Erwachsene führen werden.

Es gibt ein eigenes Vermittlungsprogramm auch für Kinder und Jugendliche, die sich in einem barocken Heckenkabinett des Orangerie-Parks mit der Ausstellung auseinandersetzen sollen. „In diesem geschützten Areal kann im Rahmen des angebotenen Programms gezeichnet und aquarelliert, gefilmt und fotografiert, spaziert, gedacht und diskutiert werden“, ist zu lesen.

Man ist optimistisch, dass das alles auch bei den Kasseler Bürgern verfängt – selbst wenn man im Stadtzentrum gestern noch völlig unbeeindruckt an dem vorbeiging, was Documenta werden soll. Es gab kaum Blicke zum zentralen Friedrichsplatz, den Sanja Ivekovic im Verlauf der 100 Documenta-Tage zum riesigen Nelkenfeld machen will, der noch aber eine Wüstenei mit Bauzaun ist.

Lernen gilt bei dieser Documenta, auch wenn es darum geht, die schwierigen theoretischen Grundfragen zu kapieren und mit den gezeigten Werken in Bezug zu bringen.

Dazu soll als sehr zeitgemäßes Hilfsmittel der „S-Guide“ dienen, der gestern in Kassel vorgestellt wurde. Man wagt den Weg in die Konzepte Buergels mit dem iPod zum Ausleihen. Unter dem Motto „Deine Ohren werden Augen machen“ lässt sich die Schau auch erkunden. Die moderne Technik und ihre vier Geschichten via Ohrstöpsel soll in „Erzählungen werkübergreifende Sichtweisen eröffnen“.

Die Audioführungen in sechs Sprachen, darunter Türkisch und Russisch, begleiten den Besucher durch Fridericianum, Neue Galerie, Documenta-Halle und durch den Pavillon in der Orangerie. Dazu dient zunächst eine kurze Einführung. Es folgen vier Mal rund 60 Minuten mit Documenta-Inhalt. Zunächst führt Buergel in der deutschen Version der Texte selbst durch seine Schau. Es folgen von Schauspielern vorgetragene Antworten auf die von ihm entwickelten Grundfragen dieser Documenta.

„Ist die Moderne unsere Antike?“, hat er gefragt und will anhand von Documenta-Werken Antworten finden auf die Diskussion darüber, wo wir in Bezug auf die Moderne heute stehen. „Was ist das bloße Leben?“, soll andere Arbeiten verbinden mit der Geschichte der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Stadt Kassel. Und „Was tun?“ wagt es, Antworten auf die Frage zu finden, wo die Weltbevölkerung heute steht und hingehen könnte.

Die künstlerischen Antworten sind jedenfalls Explosionsstoff in der internationalen Kunstkritik. Das ist auch Buergel bewusst. „Man muss sich präsentieren als König, der auch geköpft werden kann“, hat er gestern bei der Vorstellung der „S-Guides“ gesagt.

Zum Infokasten

Annette Krämer-Alig
13.6.2007


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Die iPods können ab Samstag (16.) gegen eine Gebühr von drei Euro und das Hinterlegen eines Ausweises beim Besucherservice auf dem Friedrichsplatz und in der Karlsaue mit Vouchers in den S-Guide-Containern entliehen werden.

Man kann die Texte aber auch kostenlos auf seinen eigenen MP3-Player herunterladen: an den zwei Stationen in Kassel oder ab dem 13. Juni auf den Internetseiten www.documenta.de, www.sparkasse.de und www.dsgv.de


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