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Salzburger Kunstverein Salzburg 31.5.2001 -
27.7.2001
»Kollaborationen« stehen auf dem Jahresprogramm des
Salzburger Kunstvereins, und verschiedene Formen der Zusammenarbeit
werden in der Ausstellung »Volxhochschule« ausprobiert, um Fragen
nach den gesellschaftspolitischen Interventionsmöglichkeiten von
Kunst- und Kulturvereinen aufzuwerfen und darüber hinausgehend
»Perspektiven künstlerisch-autonomen Handelns und politischer
Wunschproduktion« zu entwerfen. In der Konzeption der Ausstellung,
die die Arbeiten eines Theoretikers – Marius Babias – und zweier
Künstlerinnen – Silke Wagner und Meike Schmidt-Gleim – vereint, ist
die Idee angelegt, dass kritische Kulturarbeit als Willens- und
Bewusstseinsbildung auf den unterschiedlichsten Ebenen geleistet
werden muss. Im Text von Marius Babias werden drei konkrete Ziele
anvisiert: die Ent-Privatisierung von Wissensquellen; das
Präfigurieren kritischer Ausbildungsmodelle im halb-öffentlichen
Raum; und – im Anknüpfen an die Tradition der »Volxküchen« – die
Neuorganisierung der bildnerisch-sozialen Verantwortlichkeit von
hier nachdrücklich als Institutionen mit Bildungsauftrag
bezeichneten öffentlichen Einrichtungen. Abgezielt wird damit auch
auf eine verstärkte Kooperation zwischen politisch-künstlerischer
Praxis und linker Kulturarbeit, für die Volksbildung als zentraler
politischer Wert eine lange Tradition hat. Die Resignifizierung mit
dem »X« bedeutet auch eine selbstbewusste Wiederaneignung und
repolitisierte Bezugnahme auf diese Tradition. In ihrer
fünfteiligen Plakatserie nimmt Meike Schmidt-Gleim dieses subversive
»X« zum Anlass, um autonome (feministische, anarchistische,
antirassistische etc.) Bildungsaufträge seit 1985 zu recherchieren.
Während sie damit auch eine politische Haltung vermittelt,
thematisiert sie in ihrem zweiten Beitrag allzu neutralisierend das
Gefahrenpotenzial staatlicher Bildungspolitik: In ihrer
Rekonstruktion einer Rednertribüne mit Bücherständer und
Projektionsleinwand nach einem Originalentwurf von Gustav Klutsis
(1922) treffen in Form eines bearbeiteten Werbefilms über das
Amerikahaus in Linz (1952), der auf die Leinwand projiziert wird,
zwei klassische Propagandainstrumentarien aufeinander. Die
Verbindung sowjetischer und US-amerikanischer Modelle nivelliert
diese jedoch inhaltlich und beschreibt staatliche Bildungspolitik
sehr undifferenziert als gefährliches Terrain, auf dem Techniken der
Fremdführung ausgeübt werden, um die jeweiligen nationalen Werte zu
implementieren. Als Vermittlerin von aktuellen
gesellschaftspolitischen Forderungen fungiert die Künstlerin Silke
Wagner, indem sie die Außenseite einer überdimensionierten
Litfasssäule fünf ausgewählten Gruppen mit sozialpoliti- schen
Anliegen (ANAR, ai, Friedensbüro Salzburg, Asfalter, MAIZ) zur
Verfügung stellte. Dass diese Gruppen seit Jahren genau dort
politische Öffentlichkeitsarbeit leisten, wo jenseits staatlicher
Institutionen die öffentliche Meinung und die subjektiven
Einstellungen mitproduziert werden, lässt diese temporäre
Zusammenarbeit als einen gut gemeinten Transfer sozialer
Authentizität erscheinen. Das Innere der Rotunde, das den
BesucherInnen als interaktive Kommunikationsfläche diente,
bestätigte, am Ende mit privaten Liebesbekundungen beschrieben, auf
verquere Weise eine These von Pierre Bourdieu, nach der »die
Chancen, dass jemand eine politische Meinung produziert, ungefähr so
verteilt sind wie die Chancen, dass jemand ins Museum geht«. Ohne
hier dieser These unveränderbare Gültigkeit zusprechen zu wollen,
bleibt dieser Aspekt in der Ausstellung weitgehend unthematisiert.
Ein Mangel, mit dem auch der Vorschlag von Marius Babias in
Zusammenhang zu stehen scheint, der Kunst- und Kulturvereinen
empfiehlt, dass sie ihren »sinkenden gesellschaftlichen Stellenwert
– der sich u.a. in Budgetkürzungen ausdrückt – dadurch erhöhen
könnten, dass sie Alternativen zur Content-Industrie formulieren und
kritische Ausbildungsmodelle entwickeln«. Abgesehen davon, dass die
Möglichkeit zu kritischer (nicht mehrheitsfähiger!)
Wissensproduktion schon immer die Qualität von Kunst- und
Kulturvereinen mitbestimmt hat, impliziert dieser vorauseilende
Vorstoß auch ein unwidersprochenes Akzeptieren neoliberaler
Umstrukturierungen des sozialstaatlichen Systems
(Bildungsreformen!), die förmlich schreien nach verstärkter
Intervention.
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