27.09.2002 10:50
Filmmuseum schließt erste Renovierungs - Phase bis November
ab
Horwath zuversichtlich - neue Schwerpunkte zu
Rivette, Cronenberg und Bollywood ... und Matthew Barneys
Cremaster-Zyklus
Wien - Seit Jahresbeginn ist Alexander Horwath Leiter des
Österreichischen Filmmuseums. "In diesem dreiviertel Jahr ist - so hoffe ich -
einiges gelungen, eine Menge ist am Gelingen oder wird sicher noch gelingen.
Meine Zuversicht ist stärker als vor einem Jahr." Am Donnerstag gab Horwath
einen Überblick über die Situation des Filmmuseums und die kommenden Vorhaben.
Schauplatz des - standesgemäß von Filmvorführungen umrahmten -
Informationsabends war jedoch das Votivkino. Hier zeigt das Filmmuseum von 9.
bis 31.10. seine traditionelle Viennale-Retrospektive. Im Stammhaus in der
Albertina sind nämlich endlich die Handwerker eingezogen.
"Eine deutliche
erweiterte Vorführkabine mit neuer Projektionstechnik" ist - dank großzügiger
Förderung durch das Kulturamt der Stadt Wien ("Obwohl es sich bei der Albertina
um ein Bundesgebäude handelt") - derzeit im Entstehen. Teil dieser ersten
Renovierungsphase ist auch die Sanierung der Arbeitsräume und der Bibliothek.
Die baulichen Maßnahmen werden von Wirtschaftsministerium und
Burghauptmannschaft ermöglicht bzw. durchgeführt. Eine zweite und letzte Phase
soll im Sommer 2003 das Foyer und den Kinosaal betreffen. "Wir arbeiten
allerdings noch an der Finanzierung", schränkte Horwath
ein.
Rivette-Schwerpunkt
Dennoch zeigte sich der
Filmmuseums-Leiter außerordentlich zuversichtlich. Das lag auch daran, dass er
für die Viennale-Retrospektive "die weltweit bisher größte, umfangreichste
Werkschau" von Jacques Rivette zusammenstellen konnte, inklusive Besuch
prominenter "Komplizinnen und Komplizen" des Regisseurs und einer "Carte
blanche", für die Rivette ihm wichtige Filme zusammenstellte.
Als den
ersten von ihm getätigten Ankauf präsentierte Horwath den siebenminütigen
Kurzfilm "The Heart of the World" des Kanadiers Guy Maddin, dem im kommenden
Frühjahr auch eine Gesamtschau gewidmet sein soll. Weitere Programmschwerpunkte
der kommenden Monate betreffen David Cronenberg, das indische Bollywood-Kino,
Robert Bresson oder Romuald Karmakar. Zunächst wird jedoch im November und
Dezember spartenübergreifend zwischen Kunst und Kino agiert: Matthew Barneys
Cremaster-Zyklus wird ebenso gezeigt wie zwölf Programme zum zwölften Geburtstag
von "Sixpack Film" oder das Gesamtwerk von Dietmar
Brehm.
Restaurierungen
Das Filmmuseum hat gemeinsam mit
diversen Partnern eine Reihe von Restaurierungsprojekten in Angriff genommen. So
wird etwa an der Rekonstruktion der Tonfassung von Sergej Eisensteins
"Panzerkreuzer Potemkin" ebenso gearbeitet wie an der Aufarbeitung noch
unbekannten Nitro-Negativmaterials von Wilhelm Murnaus "Tabu".
Künftig
möchte das Filmmuseum auch Programmpakete für Schüler und Lehrer anbieten. Den
Auftakt bietet eine dreitägige Veranstaltung im Rahmen der europäischen
"Cinedays" von 18. bis 20.11. Zwei neue Publikationsreihen (zusammen mit dem
Zsolnay Verlag und dem Triton-Verlag) ergänzen die ambitionierten Vorhaben. Ab
November soll das Filmmuseum wieder an seinem angestammten Platz in der
Albertina geöffnet sein. (APA)