MARTIN BEHR GRAZ (SN). Neugierig lugt ein riesiges Katzenmonster durch die geöffnete Wohnungstüre. Die Proportionen sind ins Wanken geraten, der raumfüllende Zimmertiger verströmt den Charme des Skurrilen, aber auch des Bedrohlichen.
Das in biedere Wohnungsrealität ausgesetzte Kunststofftier ist eine Arbeit des Grazer Künstlerkollektivs RAM, welches seit eineinhalb Jahren um die "Entwicklung und Erforschung zeitgenössischer Ausdrucksmittel" bemüht ist. Mit den Fotos und Objekten ihrer bis zum 13. Jänner im Grazer Stadtmuseum geöffneten Ausstellung "In der Luft hängen - Vermessende Dimensionen im Außenraum" überführt RAM die Ästhetik der Konsumwelt in den Kunstraum. Die von Zeltfesten, Sportevents oder Möbelhauseröffnungen bekannten, monumentalen Luftskulpturen sind von einem Spezialisten für aufblasbare Werbeträger gefertigt.
Das zehnköpfige Kollektiv, das nicht nur selbst Kunst produziert, sondern auch in Sachen Kunstaufbau und Ausstellungsgestaltung versiert ist, erzeugt mit den Fotodokumentationen ihrer prägnant positionierten meterhohen Kunststofftiere eine Poesie der Vergänglichkeit. Der in der Brückenunterführung scheinbar eingeklemmte Elefant ist eingeknickt, zu wenig Pressluft füllt seinen Körper, die Riesen-Hauskatze wiederum beobachtet mit Interesse den Abriss eines Hauses. RAM fokussieren den Blick auf das Zeitphänomen Künstlichkeit, auf die Simulationsfestspiele unserer Tage. Sie tun dies mit einer "unbändigen Lust und ohne den Stachel auszufahren", wie es der Kunsthistoriker Werner Fenz formuliert. Das ihrem eigentlichen Zweck entrückte Werbedesign irritiert und amüsiert.
In der in Kooperation mit der Akademie Graz realisierten Ausstellung dokumentieren Videos die Aufblassituationen. Was RAM noch macht? Die Grazer haben Endlosfiguren in den Raum gesetzt, Baumhäuser gezimmert oder ein Universitätsgebäude erblühen lassen.







