Sommerszene: Ein rasantes Spiel der Mächtigen
CLEMENS PANAGL SALZBURG (SN). Vor der Kamera gibt es kein Entrinnen: Was die Gäste auf der Party des französischen Botschafters auch tun und sagen, Mikrofon und Objektiv sind live dabei. Der Gastgeber parliert über Demokratie. Ein aufgekratzter Regisseur interessiert sich wenig für die Weltlage und wirft sich lieber an seinen Darsteller heran. Ein somalischer Flüchtling erzählt von der Ermordung seines Vaters. Die Kamera hält drauf. Alles ist Entertainment. Oder?
In der Performance „Empire (Art & Politics)“, die am Donnerstag bei der Sommerszene zu sehen war, treibt das Kollektiv Superamas ein subtiles Multimedia-Verwirrspiel. Um die Allgegenwart medial verfälschter Bilder geht es, und um Machtspiele in Politik, Kunst und Beziehungen. Der Zuschauer ist gefordert: Zu Beginn wird in historischen Kostümen die Schlacht von Aspern von 1809 nachgespielt, bei der Frankreich und Österreich jeweils den Sieg für sich beanspruchten. An der Front fallen Soldaten, im Salon amüsiert sich der Adel. Dann rollt ein Kamerawagen auf die Bühne: Was erst aussah wie eine Theater-Soap, entpuppt sich nun als Filmset. Weiter geht’s zu besagter Party, wo sich Darsteller, Politiker und andere Gäste im Smalltalk selbst bloßstellen.
Wo sind hier eigentlich die Guten? Die gibt es in der facettenreichen, präzis inszenierten Performance nicht. Wer sich eben noch über Parallelen zwischen historischen und zeitgeistigen Gesellschafts- und Machtspielen amüsiert, sieht sogleich die Superamas-Mitglieder selbst in einem Film in Champagnerlaune, beim Aushecken einer vermeintlich großen Kunstidee. Wie sie lautet, zeigt die nächste Sequenz. Wie Cowboys reiten Superamas durch Afghanistan, um eine Filmerin zu interviewen: Was ist Wahrheit? Was ist Verzerrung? Darum geht es im Interview, und darum geht es in der Performance.
Bei aller Kraft und Rasanz stellt sich freilich auch das Gefühl ein, dass hier ziemlich viel Weltkritik auf ziemlich engem Raum Platz finden muss. Doch in der beklemmenden Schlussszene, in der sich ein Feuerwerk zum wütenden Kriegsdonner auswächst, sind diese Einwände vergessen. Ein starkes Stück.
