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Kunstberichte

Blasse Sonne, strahlender Preis

Kunstmarkt boomt weiterhin: Nach Klimts "Goldener Adele" erzielt Schieles "Herbstsonne" Sensationspreis
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- Übertraf alle Erwartungen: Schieles blasse „Herbstsonne“, nun in London zum strahlenden Sensationspreis versteigert – kein Einzelfall am boomenden Markt.  Foto: Christie’s

Übertraf alle Erwartungen: Schieles blasse „Herbstsonne“, nun in London zum strahlenden Sensationspreis versteigert – kein Einzelfall am boomenden Markt. Foto: Christie’s

Aufzählung Schiele-Gemälde um 17 Millionen Euro versteigert.
Aufzählung Kunstmarkt liegt weiterhin im Rekordfieber.

London. (apa/irr) Damit hatte das Auktionshaus nicht gerechnet: Als am Dienstagabend Egon Schieles "Herbstsonne" unter den Hammer kam, sollte sich der Schätzpreis fast verdoppeln. Rund 11,77 Millionen Pfund – 17,2 Millionen Euro – bot ein anonymer Gast bei Christie’s, um das Werk zu ergattern. Und es so zum zweitteuersten Schiele der Welt zu adeln: Nur die "Krumauer Landschaft (Stadt und Fluss)" aus dem Jahr 1916 liegt mit 18 Millionen Euro noch höher im Kurs.

Nach dem Rekordpreis für Gustav Klimts "Adele Bloch-Bauer I", die jüngst für 135 Millionen Dollar an den Kosmetik-Erben Ronald Lauder ging und zum weltteuersten Gemälde avancierte, setzt sich der Aufwärtstrend der Kunstpreise damit fort. Eine Dynamik, die weitere Ergebnisse der Auktion untermauern: Mit 87 Millionen Pfund erzielte Christie’s den höchsten Gesamtumsatz einer Auktion moderner Kunst in der Geschichte des Hauses.

"Kraft wie nie zuvor" am Kunstmarkt

Im Bereich der deutschen und österreichischen Kunst wurden dabei gleich fünf Weltrekordpreise erklommen. Das "Rotblonde Mädchen" (1919) brachte mit 2,08 Millionen Pfund einen neuen Höchstpreis für ein Emil Nolde-Gemälde, bei Christian Schad wurden Spitzenzuschläge im Bereich Malerei ("Porträt von Eva von Arnheim" für 456.000 Pfund) und auch Papier ("Zacharias II, Selbstbildnis" für 254.400 Pfund) erzielt. Ernst Ludwig Kirchners "Stehendes Mädchen" wurde mit 1,464 Millionen Pfund die teuerste Skulptur des Künstlers.

Mehr als zufriedenstellend verlief tags zuvor auch das Geschäft beim Konkurrenten Sotheby’s: Nur einige Straßen weiter wurden dort rund 130 Millionen Euro mit impressionistischer und moderner Kunst lukriert.

Wobei das Geschäft nicht nur auf der Insel glänzend läuft: "Der Kunstmarkt zeigt sich in einem ausgezeichneten Zustand. Die Branche hat so viel Kraft wie nie zuvor", schwärmt etwa Samuel Keller, Leiter der jüngst beendeten Basler Kunstmesse "Art 37".

Späte Rückkehr der "Herbstsonne"

Dass Schieles "Herbstsonne" – auch unter dem Titel "Sonnenblumen" bekannt – überhaupt verkauft werden könnte, galt lange Zeit als unmöglich: Seit dem Zweiten Weltkrieg galt das Gemälde als zerstört und wurde erst Anfang dieses Jahres den Erben des rechtmäßigen Besitzers restituiert.

Ursprünglich war Schieles Bild Teil einer Kunstsammlung des Österreichers Karl Grünwald. Die Sammlung wurde jedoch von den Nazis beschlagnahmt und 1942 verkauft. Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte Grünwald, der im Gegensatz zu Frau und Tochter dem Regime entkommen war, seine Sammlung wieder ausfindig zu machen. Nach seinem Tod 1964 setzten die hinterbliebenen Söhne die Recherche fort. Und schließlich mit Erfolg: Es gelang immerhin, im Jahr 1999 die Rückgabe eines Klimt-Bildes aus dem Museum Strasbourg zu erwirken. Dass die "Herbstsonne" nicht untergegangen war, sollte sich im Vorjahr herausstellen: Als der damalige Besitzer das Gemälde von Christie’s schätzen lassen wollte, wurde das Werk als ein echter Schiele identifiziert.

Hommage an den holländischen Kollegen

Schieles malerische Bezugnahme auf Sonnenblumen war ursprünglich eine Hommage an Vincent Van Goghs berühmtes Werk mit dem gleich lautenden Titel. Schiele hatte die Bilder des Niederländers 1909 auf der Wiener Kunstschau gesehen, zeigte seine Blumen dann allerdings farblos im blassen Licht der Herbstsonne.

Der Expressionist stellte das Gemälde 1914 fertig, kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Bereits vier Jahre später, im Alter von nur 28 Jahren, starb Schiele an den Folgen einer Grippe-Infektion.

Donnerstag, 22. Juni 2006


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