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Kunstberichte

Der Rückzug in die frühen Heldennächte

Die Albertina zeigt in der Basteihalle "Georg Baselitz Remix" mit den neuen Arbeiten des Künstlers
Illustration
- Georg Baselitz: Die großen Freunde (2006).  Foto: Privatsammlung/Galerie Ropac/Baselitz/Littkemann

Georg Baselitz: Die großen Freunde (2006). Foto: Privatsammlung/Galerie Ropac/Baselitz/Littkemann

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Die Albertina übernimmt eine Schau der Neuen Pinakothek in München mit den neuen Werken von Georg Baselitz, obwohl sie vor drei Jahren parallel zu Albrecht Dürer großformatige Aquarelle Baselitz’ präsentiert hatte.

Aber "Remix" ist nicht Remake, wie bekanntlich Dauerbrenner im internationalen Ausstellungswesen bezeichnet werden. Noch dazu bekam die Albertina durch das deutsche Sammlerkollektiv "Rheingold 65" neue Arbeiten auf Papier – Aquarelle und Tuschezeichnungen der letzten Jahre – als Dauerleihgabe. Sie sind nach monumentalen Gemälden als Weiterentwicklung der Motive entstanden.

Bei Baselitz ist eben vieles verkehrt: Nicht nur ganze und Teile von Kompositionen stehen seit den sechziger Jahren Kopf, sondern auch die Skizze kommt nach dem fertigen Bild.

Im Alter von 65 Jahren kann man auch schon grüblerisch werden und so malt Hans Georg Kern, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, seine provokanten Motive der Frühzeit noch einmal. Obwohl er sich erst nicht wiederholen wollte, orientiert er sich dahin gehend an keinen geringeren Malern wie Edvard Munch und Pablo Picasso. Als deutscher Superstar der ehedem "Neuen Wilden" muss man nicht bescheiden sein.

Bevor er sich den Künstlernamen Baselitz nach seinem Geburtsort Deutschbaselitz in Sachsen gab, hatte er in den fünfziger Jahren zuweilen Adler durch seine Landschaften fliegen lassen. Ihnen folgten die rotzigen Antihelden der lähmenden Nachkriegsjahre, mit denen der Künstler durch einen Skandal mit folgender Beschlagnahmung dreier Werke durch die Staatsanwaltschaft Berlin 1963 schlagartig berühmt wurde.

"Die große Nacht im Eimer" war denn auch das erste Bild 2005 der Serie "Remix", wobei er den halbnackten Mann mit offenem Hosentor samt einem pinselartig vorgestreckten Penis nun klarer als Porträt Adolf Hitlers deklariert. Die Malerei ist dünner geworden, die Farben sind klarer und damit bunter, der Pinselduktus durch Arbeiten am Boden breiter.

Veränderte Botschaft

Doch der Skandal bleibt nun sicher aus – auch die weiteren Antihelden mit ähnlich obszönen Gesten, die noch dazu für damals provokant Fahnen durch den Dreck schleifen ließen oder Kreuze trugen, sind längst Ikonen der Moderne. Unvergessen aber bleibt die Verurteilung zu einer relativ hohen Geldstrafe und die Debatte um die Freiheit der Kunst im Jahr 1965, denn fast wäre die Nähmaschine der Frau des Künstlers verpfändet worden.

Die heutigen Museumsbilder aber transportieren eine andere Botschaft, wie auch die bleischweren Wälder im Schnee als verkehrte Motive höchstens noch die Melancholie über die Klimakatastrophe auslösen.

Damals ging es um Nestbeschmutzung deutscher Werte, mit integriert waren Helden der Romantik wie Ludwig Richter und Franz Pforr. Die persönliche, sehr heftige Art von malerischer Aufarbeitung der Vergangenheit wollte auch von der Abstraktion, die damals den westlichen Kunstmarkt beherrschte, nichts wissen.

Baselitz wagte es dazu noch den Mix von Uniformierten, sexuellen Handlungen, Hakenkreuze und Ährenleserinnen zu zerschneiden. Diese Bildfrakturen sind als Streifen sichtbar, die er aus der Achse verschob, bis er über die partielle zur ganzen Umkehrung der Motive gelangte. Eine weitere skandalöse Angelegenheit, die seine Prominenz erweiterte.

Dies alles erklärt er jetzt malerisch und vor allem durch die Aquarelle noch einmal bis ins Detail.

Georg Baselitz Remix

Kuratoren: Barbara Steffen, Klaus Albrecht Schröder

Albertina

Zu sehen bis 24. April

Ein Wiedergänger.

Mittwoch, 17. Jänner 2007


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