10.10.2003 19:22
Kunst zwischen den Turbinen
Ausstellung zeitgenössischer Künstler im Kraftwerk Imsterberg
Imst - Die Kaverne eines Flusskraftwerks, in den 50er-Jahren als
27 Meter hohe und 58 Meter tiefe Halle in den Berg geschlagen. Riesige lärmende
Turbinen, Rohrleitungen und gleich beim Eingang das Geschrei von Papageien -
Teil einer Installation der römischen Künstlerin Maria Kristof, die sich im
unteren Geschoß mit Bezug auf die biblische "Große Flut" mit Palmen und
schaukelnden Holzpapageien fortsetzt.
17 italienische und österreichische
Künstlerinnen und Künstler haben auf Einladung von Christoph Bertsch, dem Leiter
des Instituts für Kunstgeschichte an der Uni Innsbruck, Werke geschaffen, die
sich in der Ausstellung "Kraftwerk peripher" mit dem ungewöhnlichen Ort
auseinander setzen. Das Kraftwerk bleibt auch während der vierwöchigen
Ausstellung am Netz.
Wasser, Energie, Arbeitswelt, Geschichte, Erinnerung
sind die thematischen Bezüge der Arbeiten, die allesamt aus dem Kontext ihre
Kraft beziehen. Peter Sandbichler etwa lässt auf einer von hinten beleuchteten
Glaswand,eine überdimensionale "Galerie der Elektrohelden" auftreten, Morto da
Goffezza hat am tiefsten und kältesten Punkt der Halle Sätze von Leonardo da
Vinci an die Wand gekritzelt, und Barbara Huber hat in einem ruhigeren Nebenraum
eine Videoarbeit installiert, die zum Innehalten zwingt.
Die
Unterschiedlichkeit der Zugänge zeigt sich auch darin, dass alle 17 Beteiligten
bei der Wahl ihres Platzes im Kraftwerk konkurrenzlos blieben, erzählt
Bertsch.
"Kraftwerk peripher" ist Teil eines Interreg-Projekts, das
Kraftwerksanlagen in Tirol und Südtirol industriearchäologisch erforscht. Die
Ergebnisse werden als "virtuelles Museum" ab Herbst 2004 im Internet abrufbar
sein. Zum Abschluss des Gesamtprojekts soll dann das Kraftwerk Imst nochmals
einen Monat lang nach dem gleichen Konzept mit zeitgenössischer Kunst aufgeladen
werden. (hs/DER STANDARD; Printausgabe, 11./12.10.2003)