Salzburger Nachrichten am 6. September 2006 - Bereich: Kultur
"Malerfürst" in Wien

Markus Lüpertz lässt sich in Wien als "Malerfürst" und "Maler par excellence" huldigen. Das BA-CA-Kunstforum widmet ihm eine Ausstellung.

Niko WahlWien (SN). Mozart ist überall. Betritt man dieser Tage das Wiener BA-CA-Kunstforum, so fällt der Blick zunächst auf eine monumentale Mozartskulptur. Bei der am Dienstagabend eröffneten Schau geht es jedoch nicht um den Komponisten, sondern um den deutschen Maler Markus Lüpertz. Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt durch dessen Œuvre aus Zeichnungen, Gemälden sowie Skulpturen und reicht zeitlich von den 70er Jahren bis in die Gegenwart - bis zu jener Mozartskulptur, die Markus Lüpertz im Vorjahr im Auftrag der Salzburg Foundation für den Platz vor der Markuskirche in der Stadt Salzburg geschaffen hat.

Markus Lüpertz, oft als "Malerfürst" bezeichnet, ist wohl der prominenteste Gegenwartskünstler im deutschen Sprachraum. Die Gästeliste zur Feier seines 65. Geburtstages, die das BA-CA-Kunstforum auf seiner Homepage publiziert, liest sich dementsprechend: vom ehemaligen deutschen Kanzler Gerhard Schröder, über den Schauspieler Maximilian Schell bis hin zum Künstler Hermann Nitsch.

Entsprechend wird dem Maler in Wien gehuldigt. Ingried Brugger, Kuratorin der Ausstellung und Direktorin des Kunstforums, sagte in der Presseführung am Dienstag, sie freue sich über die Person des Künstlers ebenso wie über dessen Werk: "Beide sind hier, beide sind großartig." Zudem bezeichnete sie ihn als "Maler par excellence" sowie als "absoluten Maler", und mit "Malerfürst" gab sie ihm jenen Titel, der bisher mit Hans Makart oder Gustav Klimt assoziiert worden ist.

Die Ausstellung ist gelungen. Die Werkblöcke aus unterschiedlichen Entwicklungsphasen des Künstlers demonstrieren die Vielfalt seines Schaffens. Einige der gezeigten frühen Arbeiten orientieren sich an der klassischen Moderne, während die Serie "Vesper" aus dem Bestand der Sammlung Essl mit fluoreszierenden Farben und starken Kontrasten zwischen abstrakten und figurativen Sujets aufwarten.

Auf allen Bildern der Serie "Vesper" ist ein Birkenhain zu sehen, der durch die Größe der Gemälde fast den gesamten Raum ausfüllt und die Besucher fast spürbar in den vom Maler wahrgenommenen Wald versetzt. Lediglich der Bildtext zu dieser Serie, in dem den Besuchern erklärt wird, dass der Künstler "seit Beginn seiner malerischen Tätigkeit das Bild nie vorrangig in der abbildenden Funktion betrachtet" habe, erscheint als deplatzierte kunsthistorische Hausaufgabe.

Spannend ist die Präsentation von Lüpertz' Arbeiten über Mozart. 29 Skizzen und einige kleine Skulpturen, die als plastische Vorarbeiten zur großen Mozartfigur bezeichnet sind, dokumentieren das künstlerische Vorgehen Lüpertz' und zeigen auch Reflexionen des Malers über sein eigenes Werk: Die Skizzen zeigen Mozart manchmal konkret, manchmal abstrakt und auf einigen Blättern umgeben von einem Wehrmachtshelm und einem Totenkopf - eine Referenz zu Lüpertz' Serie der "deutschen Motive".

Insgesamt bestätigen die gezeigten Werke eine Charakterisierung, die Lüpertz für sein eigenes Schaffen gegeben hat: "Es handelt sich nur um meine tiefe Lust zu malen."Markus Lüpertz im BA-CA-Kunstforum bis 5. September, Freyung 8, 1010 Wien, Information: www.ba-ca-kunstforum.at