Im Leopold Museum hat das Porträt von Egon Schieles Geliebter „Wally“ nun einen Platz neben dessen „Selbstporträt“ gefunden. Bild: HANS KLAUS TECHT
„Es war die fehlende Hälfte“, sagte Elisabeth Leopold, die Witwe des vor knapp zwei Monaten verstorbenen Kunstsammlers Rudolf Leopold.
13 Jahre lang war die „Wally“ nicht in Wien, im erst nach der Beschlagnahmung 1998 eröffneten Leopold Museum hängt sie nun zum ersten Mal. Umso größer wird „Welcome Wally“ gefeiert: Schon den Stiegenaufgang pflastern Wally-Plakate, der Eingangsbereich vor den Schiele-Räumen hält ausführliche Bild- und Infotafeln zur Biografie von Wally, zum kunsthistorischen Kontext des Gemäldes sowie zu „Wally und die Folgen“ bereit.
Rudolf Leopold hatte in seinen Schriften über Schiele stets betont, dass das Porträt Wallys als „Gegenstück zu seinem Selbstbildnis“ gemalt worden sei. Das Bildformat ist identisch, aber auch formale und stilistische Ähnlichkeiten stechen ins Auge: die Pflanzenmotive im Hintergrund, die schmächtigen Körper, die abgeschnittenen Haare durch den Bildrand und die Neigung der Köpfe, die sich einander zuzuwenden scheinen. Neben dem „Bildnis Wally“ hängt eine weitere Darstellung der Schiele-Geliebten: Die „Kniende mit grauem Umhang“.
Diethard Leopold, der Sohn des verstorbenen Rudolf Leopold, betonte: „Wenn wir uns freuen, dass sie hier hängt, sollen wir nicht vergessen, was geschehen ist, was einmal war und was unwiederbringlich verloren gegangen ist.“ Bei den Erben nach Lea Bondi-Jaray, der das Bild während der NS-Zeit entzogen wurde, bedankte sich Leopold, „dass sie diesen historischen Vergleich möglich gemacht haben“. Mit den Erben akkordiert wurde der Text, der neben dem Bild zu lesen ist und die Geschichte um Entziehung und jahrelangen Rechtsstreit erzählt.
Das „Bildnis Wally“ gelangte um 1920 an die Besitzerin der Galerie Würthle, Lea Bondi-Jaray. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Galerie Würthle von Friedrich Welz „arisiert“, die „Wally“ presste er Bondi-Jaray aus ihrem Privatbesitz unter noch heute strittigen Umständen ab. 1945 erhielt Bondi-Jaray zwar ihre Galerie zurück – die „Wally“ fehlte aber. Die Behörden hatten das Bild versehentlich an die Erben des in Theresienstadt ermordeten jüdischen Kunstsammlers und Zahnarztes Heinrich Rieger restituiert, die es 1950 an die Österreichische Galerie Belvedere verkauften. 1954 kam die „Wally“ in den Besitz des Augenarztes Rudolf Leopold. Er erwarb das Gemälde im Tausch gegen Schieles „Rainerbub“.
Der große Gewinner des Vergleichs sei „letztlich die Öffentlichkeit“, sagte der kaufmännische Direktor des Museums, Peter Weinhäupl. Die „Wally“ sei „für Österreich gerettet – sie ist eine Ikone“. Für die Finanzierung des Vergleichs wurde bereits ein Konvolut von anderen Werken beim Bundesdenkmalamt für eine Ausfuhrgenehmigung eingereicht. Um welche Werke es sich handelt, wolle man noch nicht öffentlich machen.
Das Bildnis ist etwa so groß wie ein Schulheft. Wert im Jahre 1920 etwa 20.000,- Schilling, vermutlich weniger.
Eine 100-fache Wertsteigerung erscheint realistisch, das wären 2.000.000,- gewesen.
Tatsächlich mußte 10.000 mal soviel für die Herausgabe bezahlt werden.
Das Bild wurde in gutem Glauben rechtmäßig erworben und ebenso in gutem Glauben nach New York zur Austellung verliehen.
Rückgabe nach einem 13-jährigen extrem kostspieligen Rechtsstreit in den USA um 210.000.000,- Schilling.
Die Beschlagnahmung unter rechtswidrigen Umständen in New York kann als kidnapping bezeichnet werden.
Die räuberische Epressung mit einer "Wertsteigerung" von 10-Tausend mal soviel wie einsehbar, hat auch ein Todesopfer gefordert:
Rudolf Leopold starb am 29.Juni 2010.
Knapp 3 Wochen später war der Rechtsstreit beendet.
Hier war ganz klar blanke Geldgier am Werk.
Weitere Folge: das Leopold-Museum muß Teile seiner Sammlung verkaufen, um sich diesen "Rückkauf" leisten zu können.
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