August Walla, ein Meister der Art brut, starb 65-jährig
Weltallhimmel mit Gewitterwolken
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Seine Malerei, Zeichnungen,
Wandgestaltungen und Textilien sind mit Schrift und bunten, schrillen
Figuren verpackte Botschaften aus einem eigenen Kosmos: August Walla starb
65-jährig in Klosterneuburg an einem Krebsleiden. Mit dem schon
verstorbenen Kollegen Johann Hauser und dem Zeichner Oswald Tschirtner
zählt er zu den drei prominentesten Vertretern der Art brut aus der
psychiatrischen Klinik Gugging und dem dort von Leo Navratil gegründeten
Haus der Künstler. Durch Künstler wie Dubuffet, die Cobra-Gruppe und
die Gruppe "Wirklichkeiten" hierzulande ist die Art brut heute eine
international anerkannte Stilrichtung in der Kunst des 20. Jahrhunderts
(und wird es auch im 21. Jahrhundert sein), die Kunst von Kindern, von
"primitiven" Volksgruppen und von Geisteskranken für die sogenannte
"Hochkunst" als vorbildlich propagiert. Dabei geht es um das Ursprüngliche
und um echte Anliegen, die der Kunst und vor allem dem Kunstmarkt abhanden
gekommen sind.
Ursprüngliche Wirkungskraft
Diese
ursprüngliche Wirkungskraft vermochte der 1936 in Klosterneuburg geborene
August Walla mit seinen Bildern immer zu vermitteln. Seine meist
flächenhaften und bis zum letzten Millimeter gefüllten Werke bringen
Figurenerfindungen, Wortschöpfungen, Farbenvielfalt und semiotische
Abenteuer von kontrastierenden Zeichen mit sich, wie man sie sonst wohl
kaum noch einmal finden wird. Historische Persönlichkeiten wie der
Markgraf Leopold, Bürgermeister und Parteien, selbst der Satan, werden in
seinen Hexenhäusern von "Ewigkeitsendpolizisten" bewacht, Widersprüche
vereinigt - so sind Faschismus und Kommunismus gegenübergestellt, Götter
und Mischgestalten treten in der Dichotomie von Gut und Böse zuweilen auch
pinkelnd auf.
Obsessionen und Mythologie
Seine
Umgebung, aber auch Episoden aus dem Fernsehen, sexuelle Obsessionen und
erfundene Symbole werden in eine persönliche Mythologie verspannt, die
ebenso einmalig wie unergründlich ist. Die Verbindung der Bilder mit der
Schrift, die polytheistischen Philosophien und seine reiche Form- und
Farbwelt korres- pondierten immer mit vielen aktuellen künstlerischen
Strömungen, wenngleich ihm das wohl gar nicht bewusst war. Seit 1983,
nach einer Sonderschulausbildung und Arbeitslosigkeit, Selbstmorddrohung
und Auffälligkeiten wie Verwahrlosung und Voyeurismus, im Haus der
Künstler in Gugging, durfte auch seine alleinerziehende Mutter bis zu
ihrem Tod 1986 bei ihrem Sohn leben. Seine Vielseitigkeit wird auch
Navratils Nachfolger Feilacher weiter veranlassen, die Kunst Wallas in die
ganze Welt hinauszutragen - ihm, der als zweiter Adolf Wölfli galt, kann
man nur wünschen, dass sich seine Blicke auf den "Weltallhimmel" oder auf
das Wunder "Toter wurde lebendig gezaubert . . ." bewahrheiten.
Erschienen am: 10.07.2001 |
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August Walla, ein Meister der Art brut, starb 65- jährig
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