Gäbe es einen Wettbewerb der grauesten Straßen, die
Grundsteingasse im Herzen Ottakrings hätte gute Chancen auf einen
Stockerlplatz. Doch ab Samstag wird gerade dieses Scherbenviertel zur
Achse des Festivals "Soho in Ottakring", das 200 Aktionen, Installationen,
Ausstellungen in das Viertel um den Brunnenmarkt bringt. "Welten sichten"
heißt das ziemlich beliebige Generalthema, das in einigen Variationen aber
elegant interpretiert wird. Sehenswert etwa die Installation
"Extrazimmer". Hier haben die Architektinnen Corina Binder und Suse Mayer
ein funktionsfähiges Badezimmer in ein verwahrlostes Gassenlokal
eingebaut. Öffentlich darf dort unter neugierigen Augen der Passanten die
Wanne zum gemütlichen Bad bestiegen werden. Fast zynisch mutet das Motiv
dafür an. Untersuchungen sollen ergeben haben, dass vielen Bewohnern der
Gegend ein Badezimmer fehlt. Nun haben sie eines - müssen es aber mehr
oder weniger öffentlich nützen.
Einblicke gewinnen kann man auch in einem persiflierten
Reisebüro "Diana-Reisen". Drei Touren stehen zur Auswahl: Eine in
ausgewählte Privatwohnungen, eine in Geschäftslokale und eine zeigt Flora
und Fauna. Kommunikationshilfe bietet dabei der "Türkisch Verleih", bei
dem Walkman mit türkischen Sprachkassetten zu beheben sind. Eine kritische
Anspielung auf die verpflichtenden Sprachkurse für Ausländer, die wohl in
kaum einer Gegend ohnehin so integriert sind, wie um den Brunnenmarkt.
Ein Gastspiel in Ottakring ist die "Buryzone" der
Slowaken Michal Moravcík und Martin Piacek. Ihre Installation kokettiert
mit dem Lauschangriff. Der Besucher geht durch einen völlig leeren Raum,
in dem am Ende in einem Seitenzimmer Tisch und Stuhl aus den 50er Jahren
stehen. Gespräche, die man dort führt, werden verzerrt in einen Abhörraum
übertragen. bau
Eröffnung: 24. Mai, 20 Uhr, Yppenplatz. Bis
7. Juni, Info: www.sohoinottakring.at
© Die Presse |
Wien