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23.05.2003 - Ausstellung
Festival: Pauschalreise ins Privatleben
"Soho in Ottakring" macht zum fünften Mal ein abgewohntes Stadtviertel zur Kunstzone. Trashig.


Gäbe es einen Wettbewerb der grauesten Straßen, die Grundsteingasse im Herzen Ottakrings hätte gute Chancen auf einen Stockerlplatz. Doch ab Samstag wird gerade dieses Scherbenviertel zur Achse des Festivals "Soho in Ottakring", das 200 Aktionen, Installationen, Ausstellungen in das Viertel um den Brunnenmarkt bringt. "Welten sichten" heißt das ziemlich beliebige Generalthema, das in einigen Variationen aber elegant interpretiert wird. Sehenswert etwa die Installation "Extrazimmer". Hier haben die Architektinnen Corina Binder und Suse Mayer ein funktionsfähiges Badezimmer in ein verwahrlostes Gassenlokal eingebaut. Öffentlich darf dort unter neugierigen Augen der Passanten die Wanne zum gemütlichen Bad bestiegen werden. Fast zynisch mutet das Motiv dafür an. Untersuchungen sollen ergeben haben, dass vielen Bewohnern der Gegend ein Badezimmer fehlt. Nun haben sie eines - müssen es aber mehr oder weniger öffentlich nützen.

Einblicke gewinnen kann man auch in einem persiflierten Reisebüro "Diana-Reisen". Drei Touren stehen zur Auswahl: Eine in ausgewählte Privatwohnungen, eine in Geschäftslokale und eine zeigt Flora und Fauna. Kommunikationshilfe bietet dabei der "Türkisch Verleih", bei dem Walkman mit türkischen Sprachkassetten zu beheben sind. Eine kritische Anspielung auf die verpflichtenden Sprachkurse für Ausländer, die wohl in kaum einer Gegend ohnehin so integriert sind, wie um den Brunnenmarkt.

Ein Gastspiel in Ottakring ist die "Buryzone" der Slowaken Michal Moravcík und Martin Piacek. Ihre Installation kokettiert mit dem Lauschangriff. Der Besucher geht durch einen völlig leeren Raum, in dem am Ende in einem Seitenzimmer Tisch und Stuhl aus den 50er Jahren stehen. Gespräche, die man dort führt, werden verzerrt in einen Abhörraum übertragen. bau

Eröffnung: 24. Mai, 20 Uhr, Yppenplatz. Bis 7. Juni, Info: www.sohoinottakring.at



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