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Restituiertes Schiele-Bild aus Linz vor Versteigerung in London

"Krumauer Landschaft" kommt am 23. Juni bei Sotheby's unter den Hammer - Geschätzter Erlös 5 bis 7 Mio. Pfund.

London/Wien (APA) - Kommenden Montag (23. 6.) wird das Anfang dieses Jahres von der Stadt Linz restituierte Gemälde "Krumau" (1916) von Egon Schiele (1890-1918) bei Sotheby's in London unter dem Titel "Krumauer Landschaft (Stadt und Fluss)" versteigert. Als einer der Höhepunkte des "Impressionist and Modern Art Evening sale" (Beginn: 20 Uhr MESZ) soll das Bild als Los Nummer 6 geschätzte 5 bis 7 Millionen Pfund (7,12 bis 9,97 Mill. Euro ) erzielen. Das Bild hing bis zur Restitution in der Neuen Galerie der Stadt Linz.

Das Bild "Krumau" sei, so Sotheby's auf der Auktions-Website, der Inbegriff von Schieles einzigartigem Beitrag zur Entwicklung der modernen Kunst Anfang des 20. Jahrhunderts und eine der bedeutendsten Stadtlandschaften aus den letzten Jahren der Karriere des Malers, der 1918 im Alter von nur 28 Jahren der damals in Europa grassierenden Spanischen Grippe zum Opfer fiel.

Das Gemälde war bis 1938 im Besitz der Wiener Jüdin Daisy Hellmann, die nach dem "Anschluss" flüchtete. Das Schiele-Bild blieb zurück, wurde von den Nazis beschlagnahmt und 1942 im Wiener Dorotheum versteigert. Ein Kunsthändler erwarb das Gemälde im Auftrag des Berliner Sammlers Wolfgang Gurlitt. Dieser wiederum verkaufte 1953 seine komplette Sammlung der Stadt Linz, darunter auch das Schiele-Bild "Krumau".

Daisy Hellmann - sie lebte inzwischen in Brasilien - hatte bereits kurz nach dem Krieg den Antrag auf Rückgabe des Bildes gestellt. Dieser wurde damals vom Gericht abgewiesen, weil nicht nachweisbar war, dass Gurlitt wusste, dass es sich um entzogenes jüdisches Eigentum handelte. Obwohl nach neuen Untersuchungen von Historikern die Stadt Linz damals das Bild rechtlich korrekt - also ohne zu wissen, dass es sich um entzogenes jüdisches Vermögen handelte - gekauft hatte und daher juristisch keine Verpflichtung zur Rückgabe an die Erben von Daisy Hellmann bestand, entschied man sich im Sinne einer moralischen Verpflichtung zur Restitution an die Erben von Daisy Hellmann.

Die Geschichte des Gemäldes kam laut Sotheby's nach Recherchen von Lucian Simmons, Direktor der Restitutions-Abteilung von Sotheby's in London, und Andrea Jungmann, Direktorin von Sotheby's in Österreich, ans Licht. Ihre Bemühungen wurden mit denen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien abgestimmt, die eine entscheidende Rolle bei der Rückführung an die rechtmäßigen Eigentümer spielte.

Schiele hatte enge Verbindungen mit Krumau. Die Stadt war der Geburtsort seiner Mutter und eine Zuflucht für den Künstler zu verschiedensten Zeitpunkten seines von Problemen überschatteten Lebens. In dieser dynamischen, fast Schwindel erregenden Vision seiner mütterlichen Heimatstadt ist Schieles unverwechselbarer Stil zu erkennen. Gegen einen Hintergrund von grünen Hügeln werden die Häuser mit ihren leuchtend orange-roten und braunen Dächern von einem unnatürlich hohen Blickpunkt aus wie übereinander gestapelt gemalt, während sich der Fluss wie der kurvenreichen Körper einer Frau durch die Komposition schlängelt.
2003-06-19 12:05:33