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Kunstberichte
Das Wien Museum widmet sich der "Street Photography" – und damit bewegenden Ansichten von New York

Die Stadt mit ihren Körpern sehen

Vergnügt auf Coney Island: Sid Grossmans lebendiges Foto von 1947. Foto: Miriam Grossman Cohen/H. Greenberg Gallery

Vergnügt auf Coney Island: Sid Grossmans lebendiges Foto von 1947. Foto: Miriam Grossman Cohen/H. Greenberg Gallery

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung Zum 50-Jahr-Jubiläum des Museumsbaus am Karlsplatz schenkt sich Direktor Wolfgang Kos eines seiner Lieblingsthemen: die "Street Photography", die von den 1940er bis 70er Jahren in New York ihre Blüte erlebte. Kurator ist der Experte Gilles Mora, der an einem Buch über das dynamische Phänomen werkt.

Die Kamera im New York jener Zeit entspricht der impressionistischen Malerei im Paris des 19. Jahrhunderts. Für Walker Evans, Weegee (Arthur Fellig), Helen Levitt oder Leon Levinstein ist die Fotografie nicht nur ein Dokumentarmedium sozialer Studien – mit der Kamera wurde auch über die neue Bildsprache selbst reflektiert.

Evans U-Bahn-Serie mit versteckter Kamera steht am Anfang der Schau – gemeinsam mit Ted Croners Bildern eines nächtlichen Halbwelt-Milieus vor dramatischer Lichtkulisse.

Die auch während des Krieges sinnlichen Vergnügungen auf Coney Island fing Sid Grossman ein. Er war Mitbegründer der "Photo League", die sich sozialpolitisch engagierte. Fotografie als Instrument zur Erlangung eines radikalen Wandels in der Gesellschaft ist bis heute ein Thema – obwohl die McCarthy-Ära die Organisation auslöschte.

Kriminelle Kids

Unter diesem Druck wandten sich die Fotografen zunehmend Modemagazinen zu – oder thematisierten ihr subjektives Erleben nach dem Vorbild der abstrakt-expressionistischen Malerei. Einer ihrer Protagonisten wurde 1958 bei Nacht von Robert Frank porträtiert: William de Kooning.

Der Wechsel von Schwarzweiß zu Farbe und die veränderte Zeit der 70er brachten die Blicke in soziale Randfelder zurück. Nun waren es Teenager, die auf den Straßen gegen die Regeln verstießen. Neben Diane Arbus hat das der für die Agentur Magnum arbeitende Bruce Davidson dokumentiert. Der Journalist Charles Harbutt fixierte "Boys smoking in a Car" 1963. Daneben hängt eine Kultserie von Star-Künstler Lee Friedlander mit Fragmenten des Alltags.

In den 70ern war der Aufbruch der Fotografie geschafft: Viele wandten sich parallel dem experimentellen Film zu wie etwa Levitt, die Henri Cartier-Bresson durch New York begleitete. Tod Papageorge, auch Theoretiker der Fotografie, brachte Ironie ins Genre mit ein, Joel Meyerowitz setzte es mit Farbe und Weitwinkel fort, und zuletzt ist in einer Diashow von Garry Winogrand dem Straßenleben auch die entsprechende Blues- und Popmusik für noch mehr Sinnlichkeit beigestellt.

Aufzählung Ausstellung Big City

New York Street Photography Wien Museum bis 24. Mai

Printausgabe vom Donnerstag, 12. März 2009

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