18. Juli 2009 - 00:04 Uhr · Von Irene Gunnesch · Kultur

Revolutionäre Idee heizt Kunstmarkt an

Revolutionäre Idee heizt Kunstmarkt an
Peggy Guggenheim konnte es. Damien Hirst kann es. Auch Karl Kammerhofer (67) kann es. Der Bio-Pionier, „Grüne Erde“-Gründer und Künstler veranstaltet heute, 15-23 Uhr, in seinem Privathaus in Gmunden die erste „Kunstbörse“ als direkte Form der Kunstvermarktung.

Seine abwechslungsreiche Biographie liest sich im Stakkato in etwa so: als Jugendlicher mit dem Malen begonnen, Voest-Mitarbeiter, HTL-Ingenieur, Gründung des Alternativladens in Linz, künstlerische Tätigkeit im Bereich Design, Mitte der 80er Gründung des Bio-Versands „Grüne Erde“, Aufzucht gefährdeter Pflanzen im eigenen Cottage-Garten in Scharnstein, buddhistischer Religionslehrer in oberösterreichischen Schulen, Gründung des Instituts für Bau- und Marktforschung, Erstellung energetischer Studien für Land und Bund, thermische Sanierungskonzepte für Häuslbesitzer und -bauer, Sommerakademie Traunkirchen bei Xenia Hausner, und nun Kunstbörse-Initiator.

„Während meines Lernens an der Sommerakademie ist mir aufgefallen, dass nur wenige Kunstschaffende wirklich die Möglichkeit haben, in einer Galerie unterzukommen!“ Ein Besuch im Peggy Guggenheim Museum in Venedig gab dann den endgültigen Kick: „Die Besuche dort sind jedes Mal Inspiration für mich und meine Frau Gabriele: Man biegt um eine Ecke, geht durch ein kleines Tor, und schon stehst du wieder vor einem Schatz!“

Dabei sei ihnen die revolutionäre Idee gekommen, das eigene neue Haus in Gmunden genauso für die Kunst zu öffnen, geknüpft an direkte Kunstvermarktung: „Die Sache selbst in die Hand nehmen!“, lautet die Devise. Das eigene Haus öffnen, Inspiration bieten. So kommt es heute, 15 bis 23 Uhr, als Prolog der Salzkammergut Festwochen, zur Kunstbörse Gmunden: Kunstkauf ohne Provision zu Nettopreisen, das Werk samt Echtheitszertifikat kann (ab 23 Uhr) gleich mitgenommen werden. Dazu gibt es ein Fest (Unkostenbeitrag 25 Euro) mit „Entspannung auf drei Ebenen in Haus und Garten, Kunstgenuss, anregenden Gesprächen, exotischer Küche, Soft-Cocktails, feiner Musik“.

Dass ihm Kritik aus Galerien sicher ist, weiß Kammerhofer, aber er sieht diese Aktion nicht als Kampfansage an Kunstgeschäfte: „Auch wenn die Grundlage zu dieser Idee eine Empörung war, wie schlecht manche Galeristen mit jungen Künstlern umgehen. Ich klage niemand an, ich mache nur vor, wie man es anders machen kann.“

Alle auf Augenhöhe

Er verstehe diesen Tag als Zusatzangebot, eine neue Vertriebsform zu entwickeln: „Wir zeigen hier das mittlere Kunst-Segment. Die Preise liegen in etwa zwischen 500 und 1500 Euro. Außerdem feiert meine Frau einen runden und ich einen unrunden Geburtstag. Das hat zusätzlich gepasst.“ Werke von 33 Kunstschaffenden sind ausgestellt, angemeldet hatten sich naturgemäß wesentlich mehr, als die Kammerhofers nun zeigen können. Fühlen sich die „Abgelehnten“ dann nicht auch von ihm „schlecht behandelt“? „Ja, leider.“ - sagt Kammerhofer: „aber ich hab einfach nicht mehr Platz!“

Als „Mäzen“ sieht er sich nicht: „Das möchte ich absolut vermeiden. Wir stehen da alle auf gleicher Augenhöhe. Mich turnt einfach diese Zuneigung der Künstler, die ich da jetzt bekomme, unheimlich an. Das ist für mich ein unglaublicher Adrenalinstoß. Ich hab in diesen letzten Monaten so viel an Lebensfreude gewonnen, das kann ich gar nicht aufwiegen in Geld.“ Viele Künstler stellen ihm die Frage, ob er davon selber auch einmal etwas haben würde, aber er stelle sich diese Frage nicht: „Ich möchte einfach bis zu jenem Zeitpunkt, an dem ich in den Sonnenuntergang reite, viel heilvolle Unruhe schaffen!“

Keine Frage, das tut Karl Kammerhofer nonstop. Derzeit mit der Kunstbörse Gmunden.

Info: Kunstbörse, Freygasse 12, am Traunsee-Ostufer in Weyer; 0699/10478623
Quelle: OÖNachrichten Zeitung
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/art16,223987
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