


New York - Mit spektakulären Verhüllungen etwa des Pont Neuf in Paris oder des Berliner Reichstages 1995 wurde das Künstlerpaar Jeanne-Claude und Christo weltberühmt. "Doch uns geht es nicht um das Verhüllen, Verpacken, sondern uns interessiert die Verwendung von Stoff. Das ist immer schon ein wichtiges Thema in der Kunstgeschichte", sagte Jeanne-Claude dem Standard im April dieses Jahres in einem Exklusivinterview. Ihre Kunst erfordere "patience". Geduld. Vor allem aber "passion". Leidenschaft: "Viele unserer Projekte wurden immer wieder abgewiesen. Bei einigen haben wir das Interesse verloren. Andere bleiben in unseren Herzen, wie der Berliner Reichstag. An denen arbeiten wir weiter, oft auch Jahrzehnte."
Jeanne-Claude und Christo waren im Frühjahr nach Wien gekommen, um den Contemporary Art Tower (CAT) im Gefechtsturm im Arenbergpark zu unterstützen - mit einer 55-Cent-Briefmarke, die ihre Vision eines verhüllten Flakturms zeigte. Wie immer waren die beiden, die am gleichen Tag im gleichen Jahr - am 30. Juni 1935 - Geburtstag hatten, in getrennten Flugzeugen angereist: Im Falle eines Absturzes sollte wenigstens einer von beiden überleben. "Was ist das: Schicksal? Ich zum Beispiel wurde nicht geboren, um Künstlerin zu sein. Als Diplomatentochter hatte ich mein eigenes Pferd, einen Tennisplatz, einen Chauffeur. Mit einem bulgarischen Flüchtling zu leben: Das ist crazy. Oder Liebe." Den bulgarischen Flüchtling Christo Wladimirow Jawatscheff hatte Jeanne-Claude Denat de Guillebon, die in Casablanca geboren wurde und in Paris aufwuchs, 1958 in der Schweiz kennengelernt, als er ihre Mutter porträtierte.
Die beiden heirateten, ließen ihre Nachnamen weg und realisierten alsbald ihre Interventionen im öffentlichen Raum: Als erste Teamarbeit verhüllten sie 1962 Fässerstapel im Kölner Hafen, aber erst seit 1994 wurde Jeanne-Claudes Name bei den gigantischen Kunstvorhaben gleichberechtigt genannt. Seine Projekte - etwa The Gates im Central Park - finanzierte das Paar durch den Verkauf von Zeichnungen, Skizzen und Modellen. Private oder öffentliche Sponsorengelder lehnten sie kategorisch ab: "Wir wollen Freiheit."
Am Mittwoch ist Jeanne-Claude in einem New Yorker Krankenhaus 74-jährig an den Folgen eines Gehirnaneurysmas gestorben. (Andrea Schurian, DER STANDARD/Printausgabe, 21./22.11.2009)
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