Hülle für „schöne Aussichten“
Das „21er Haus“. Adolf Krischanitz revitalisierte Karl Schwanzers ehemaligen Brüsseler Expo-Pavillon für ein neues Haus des Belvedere.
KARL HARB WIEN (SN). Österreich bekommt einen bedeutenden Kulturbau der Moderne wieder. Karl Schwanzers für die Weltausstellung 1958 entstandener Pavillon, ab 1962 das legendäre Museum des 20. Jahrhunderts, kurz „20er Haus“, mit ebenso legendären Museumsdirektoren wie Werner Hofmann oder Alfred Schmeller, wurde nach seiner Schließung Ende 2001 und einem Wettbewerb 2003 von Architekt Adolf Krischanitz adaptiert und erweitert. Für Dienstag, genau 49 Jahre nach der Eröffnung, lud Agnes Husslein, Direktorin des Wiener Belvedere, das seit 2002 im Besitz des richtungsweisenden Baus der österreichischen Nachkriegsmoderne ist, zur Übergabe der neuen alten „Hülle“. Ab 15. November wird dort unter der Leitung der Kuratorinnen Cosima Rainer und Bettina Steinbrügge österreichischer Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts und ihrem internationalen Kontext ein Spielraum geboten. Zusätzlich werden in den um das Vierfache erweiterten, mit einem freigelegten Untergeschoß und einem neuen freistehenden „Büroturm“ versehenen Komplex gegenüber dem im Bau befindlichen Wiener Zentral-, vormals Südbahnhof die Schausammlung der Wotruba-Stiftung und die Artothek des Bundes untergebracht.
Krischanitz, Schüler Karl Schwanzers, betonte beim Rundgang, dass gerade die „Leichtigkeit, Luftigkeit und Helligkeit“ das Signum des einst Neuen sei, das heute womöglich sogar eine „Renaissance dieses Typus“ markieren könne.
Die leichte, transparent schwebend wirkende Stahlkonstruktion, ursprünglich in Brüssel offen, dann für das Museum verglast, wirkt einschließlich der revitalisierten Materialien, wie etwa dem grauen Linoleumboden des Obergeschoßes, tatsächlich zugleich wie ein subtiles Zitat und eine daraus abgeleitete behutsame Neuformulierung. Wobei Krischanitz auf den Respekt vor dem Original Wert legt: „Wir sollen nicht interpretieren.“ Vielmehr galt es, das Bauwerk den heutigen Anforderungen eines modernen Ausstellungs- und Veranstaltungsbetriebs sicherheits-, klima- und bautechnisch anzupassen.
Von außen bekommt die so schlichte wie kühne Konstruktion nun dadurch einen besonderen Akzent, dass Krischanitz einen grabenartigen „Tiefhof“ ausheben ließ, der das Gebäude wie einen Solitär erscheinen lässt. Die kühle Eleganz außen wie innen offenbart sich so in ihrer momentanen Leere als faszinierendes Kunstwerk an sich, als Architektur von zeitlos schlichter, aber umso präziserer Modernität.
Man fürchtet fast, wenn die erste Ausstellung einzieht: Am 15. November wird die Schau „Schöne Aussichten“ eröffnet, österreichische und internationale Positionen zur Architektur und der Neubetrachtung der Institution des Museums.www.belvedere.at




















