| Künstler trotz Krankheit | |
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Zwischen Pathologisierung und Anerkennung schwankte die Rezeption der Art brut. August Walla war einer ihrer wichtigsten Vertreter.
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August Walla erlag
am Samstag, dem 7. Juli 65-jährig in Klosterneuburg einem Krebsleiden. Das
teilte Johann Feilacher, medizinischer und künstlerischer Leiter des "Haus
der Künstler" in Gugging, am Montag in einer Aussendung mit. Alles umfassendes Werk Augustinus Aloisius Walla Georginus, wie Walla sich selbst gern nannte,
schuf farbige, teilweise bis in die Mosaikhaftigkeit detailreiche Werke,
die häufig um die Themen Gottsuche und Körpersäfte kreisen und meist auch
Text bzw. Schrift integrieren. Sowohl im Garten seiner Mutter als auch in
seinem Zimmer im Haus der Künstler bedeckte Walla jeden Flecken Mauer und
jedes geeignete Objekt mit lebhaft gefärbten Aufschriften und den Figuren
seiner polytheistischen Philosophie. Neben dem im Jahr 1996 gestorbenen
Johann Hauser zählte er zu den herausragendsten Künstlern von Gugging. August Walla wurde am 22. 6. 1936 in Klosterneuburg (Niederösterreich)
geboren. Er wuchs in der Obhut seiner Mutter Aloisia und seiner Großmutter
auf und begann schon in seiner Jugend künstlerisch zu arbeiten. Er
gestaltete seine Umgebung, indem er auch Häuser, Straßen und Bäume
beschriftete, und schuf sich seine eigene Mythologie mit bekannten und
selbst erfundenen Göttern und Wesen. Bereits als Neunjähriger litt er an Schlaflosigkeit. Er bekritzelte
seine Schulhefte und wird mit dem Satz zitiert "Alles, was rot ist, ist
teuflisch". Mit 16 drohte er, das Haus anzuzünden und sich zu erhängen,
und wurde erstmals in eine Nervenheilanstalt eingeliefert. Seit 1983, als
Walla und seine Mutter den eigenen Schrebergarten an der Donau aufgeben
mussten, wohnte er im "Haus der Künstler". Walla nannte sich selbst "Trottel, Depp und Idiot", auch "glücklicher
Idiot", als "geisteskrank" jedoch wollte er nicht bezeichnet werden.
"Wallas infantil gebliebene Sexualität spielt in seinen Schriften und
Zeichnungen eine große Rolle. Als der wesentliche Inhalt des Gesamtwerks
ist jedoch August Wallas mythisch-magische Privatreligion zu betrachten",
charakterisierte sein Mentor Leo Navratil das Werk Wallas.
Das "Haus der Künstler" in Gugging Aus vorwiegend wissenschaftlicher Neugierde war der Psychiater Leo
Navratil in den 50er Jahren in der Heilanstalt Gugging auf das Phänomen
der freien künstlerischen Gestaltung bei Psychiatriepatienten gestoßen.
Bei seinen Patienten entdeckte er ungeahnte Talente, die er fördern
wollte. Navratil und sein nachfolger Johann Feilacher wurden nie müde zu
betonen, dass die Zeichnungen und Malereien ihrer Patienten ausdrücklich
keinen therapeutischen Charakter hätten, sondern als eigentliche
Kunstwerke verstanden werden müssten. Eine erste Werkschau einer Gruppe von Künstlern aus Gugging fand 1970
in der Galerie "Nächst St. Stephan" in Wien statt. 1981 wurde schließlich
das "Haus der Künstler" gegründet. Seit 1986 steht es unter der Leitung
von Johann Freilacher und dient als Wohnstätte, Arbeitsraum, privates
Museum, Galerie und Kommunikationszentrum. In die Gemeinschaft eingeladen werden von Feilacher nur ausgesuchte
Künstler. Die Mitglieder der Gugginger Gemeinschaft waren bislang
ausschließlich Männer.
Zwischen Pathologisierung und Anerkennung Das "Haus der Künstler" in Gugging steht für "Art brut". Dieser
maßgeblich von Jean Dubuffet beeinflussten Kunstrichtung geht es nicht um
eine Darstellung der Wirklichkeit, sondern um spontane Ausdrucksformen.
Losgelöst von Stilrichtungen, Vorbildern oder dem Kunstmarkt haben ihre
Vertreter eine eigenständige Wahrnehmung der Wirklichkeit vermittelt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts haben Künstler, zunächst die
Expressionisten, die Surrealisten, anschließend auch die Art brut von
psychisch Kranken geschaffene Bilder rezipiert. Ihrer Faszination stand
eine bis zur Verfolgung und Vernichtung führende Ablehnung der
Nationalsozialisten gegenüber. Erst nach dem Krieg konnte eine neue
Auseinandersetzung mit der pathologisierten Kunst zu einem Kunstbegriff
führen, der auch den Werken psychisch Kranker gebührenden künstlerischen
Status zubilligt und die Qualität eines Werks nicht nach der
vermeintlichen Gesundheit des Schöpfers bewertet. Werke des 1996 gestorbenen Johann Hausers, Oswald Tschirtners oder
August Wallas und sind seither in fast allen bedeutenden
Gruppenausstellungen zur Art brut vertreten.
August Walla im RadioKulturhaus Seit seinem Bestehen im Jahr 1997 ist das RadioKulturhaus mit dem Schaffen der Gugginger Künstler verbunden. Ihre Werke schmücken nicht nur das RadioCafe, die Gestaltung der Eingangstüre zum "KlangTheater GanzOhr" hatte August Walla übernommen. | ||||||||