VON ARIANE GRABHER
Bludenz (VN) Codierungstechniken,
bereits bestehend als auch eigens entwickelt, sind das zentrale
Thema der Arbeiten von Ursula Nicolussi. Unter dem Titel "alterly
interactions" zeigt die Bludenzer Galerie "allerArt" derzeit einen
Ausschnitt aus dem Schaffen der in Wien lebenden Künstlerin.
Acht Bits entsprechen einem Byte, acht kleine Würfel
ergeben einen großen Cube. Miteinander vernetzt, die Würfelteile
gedreht, gekippt und in der äußeren Gestalt immer wieder verändert,
verleiht die 1975 in Bregenz geborene Ursula Nicolussi einer
Information aus der digitalen Welt Gestalt, die sich am Modell
"begreifen" lässt und sich in der Umsetzung als räumliche
Intervention präsentiert.
Faltplan
Zwei einzelne Würfel illustrieren fragmentarisch, was
sich über die mit Klebeband angebrachten Linien an Wänden und Boden
im Ausstellungsraum nicht immer ganz leicht entschlüsseln lässt:
nämlich den in die Ecke des Raumes geklappten Faltplan, der - immer
einiges an räumlichem Vorstellungsvermögen vorausgesetzt - in der
zweidimensionalen Darstellung eine dreidimensionale Vorstellung
simuliert. Ein Vorgang, der sich im Werk von Ursula Nicolussi
nahtlos in ihre Auseinandersetzung mit Codierungen und
Codierungstechniken einreiht.
Codiert wird im Zerlegen der Einzelteile nicht nur mit Sprache,
"codiert werden Objekte, Situationen, komplexe Zusammenhänge. Ich
formuliere Aussagen um, jedoch ohne deren Wahrheitsgehalt zu
widerlegen; ich füge hinzu, was erst nach eingehender Beschäftigung
sichtbar würde", meint Nicolussi.
Bildstörung
So geschehen auch bei der Videoarbeit "It's not the fall
that kills you, it's the sudden stop", die als eine Art
Bewegungsstudie entstanden ist, die reine Bewegung aus dem
umgebenden Raum filternd.
Aufnahmen aus einem fahrenden S-Bahn-Zug werden von der in
binären Codes "denkenden" digitalen Videokamera in horizontal
flimmernde, parallele weiße Linien übersetzt. Diese Bildstörung wird
von der Künstlerin aufgegriffen, als Sequenz bearbeitet und geloopt
und schließlich in den Rang eines Kunstwerks erhoben. Dass aufgrund
technischer Probleme ausgerechnet die titelgebende zweite
Videoarbeit nicht gezeigt werden kann, ist zwar schade, aber
ansonsten nicht weiter tragisch.
Denn die Formel vom "wechselseitigen Einverständnis" lässt sich
ohne weiters auch auf die anderen Arbeiten in einer ansonsten recht
munteren Schau übertragen, deren kleine Unzulänglichkeiten die
Flexibilität, aber auch die Unverbindlichkeit solcher Konzepte
untermauern.
Die Ausstellung ist in der Galerie "allerArt" in der
Remise Bludenz bis 30. Juni zu sehen, geöffnet Mittwoch, Freitag,
Samstag und Sonntag, 15 bis 18, Donnerstag 17 bis 21 Uhr.
Arbeit von Nicolussi: Räumliches Vorstellungsvermögen gefordert.