Klimts wichtigste Werkgruppe

Die Ausstellung der Frauenbildnisse Klimts stellt die Frage nach deren Schicksal.


Die Österreichische Galerie beherbergt die weltweit größte Sammlung von Gemälden Gustav Klimts. Das Museum widmet seine Millenniumsausstellung, die vom 20. September bis 7. Jänner im Oberen Belvedere zugänglich ist, dem Thema "Klimt und die Frauen" - und damit der wahrscheinlich wichtigsten Werkgruppe des Wiener Malerfürsten.

Erstmals bietet die Ausstellung einen umfassenden, nahezu kompletten Überblick über das Sujet des Frauenporträts bei Klimt. Das Zentrum bilden überwiegend Auftragswerke, repräsentative Porträts der Frauen des Großbürgertums. Zumindest deren Männer und Väter konnten sich den teuersten Maler der Zeit leisten.

Allegorische Frauendarstellungen

Ein weiterer wesentlicher Block ist den allegorischen Frauendarstellungen gewidmet. Erstmals seit fast einem Jahrhundert werden damit "Der Kuss" (1907/08) und "Die drei Lebensalter" (1905) wieder unmittelbar nebeneinander zu sehen sein.

Die Galleria Nationale d'Arte Moderne in Rom hat sich vom Schmuckstück ihrer Sammlung nur unter der Bedingung getrennt, dass die "drei Lebensalter" unter Polizeischutz die Reise nach Wien absolvieren.

Klimts Zeitgenossen

Der dritte thematische Block der von Tobias Natter kuratierten Schau ist Werken von europäischen und amerikanischen Zeitgenossen Klimts gewidmet: Frauenporträts u.a. von Ferdinand Hodler, Fernand Khnopff, Edouard Manet, James McNeill-Whistler, Edvard Munch, Oskar Kokoschka, Egon Schiele oder Anton Kolig.

Die Ausstellung und der 256 Seiten starke Katalog verfolgen aber auch bisher weitgehend ausgeklammerte, erst mit der Raubkunstdebatte und Provenienzenforschung als brennend erkannte Fragen: Wer sind diese Frauen? Wer waren die Sammler und Auftraggeber Klimts und der Wiener Moderne?

Das Schicksal der Sammler

Die Schau ist von einem reichen Veranstaltungsprogramm begleitet und bietet zudem die Gelegenheit, das nicht zuletzt für die Österreichische Galerie brennend aktuelle Thema "Wiener Sammler der Jahrhundertwende und ihr Schicksal" wissenschaftlich zu beleuchten.

Die Vortragenden eines internationalen Symposions (geladen wurden u.a. Ernst H. Gombrich und Carl E. Schorske), das von 22. bis 25. November geplant ist, wurden von den beiden Veranstaltern Österreichische Galerie und Israelitische Kultusgemeinde gemeinsam ausgewählt und eingeladen.

Rahmenprogramm

Das reiche Vermittlungs- und Rahmenprogramm zur Ausstellung umfasst neben Angeboten für Schulklassen und Kinder auch "Donnerstagsgespräche" sowie einen Führungszyklus, bei dem renommierte ExpertInnen über spezielle Aspekte im Werk Klimts und der Kultur der Wiener Jahrhundertwende referieren. Überblicksführungen werden an Wochenenden angeboten, Sonderführungen sind täglich abends ab 22.00 Uhr möglich.

Kunstgespräche mit Experten in kleinen Gruppen sind jeweils einem speziellen Schwerpunktthema gewidmet. Eine eigene Diskussionsreihe mit Künstlerinnen steht unter dem Motto "Frauenzimmer und Weibsbilder". Lesungen mit Salonkonzerten, ein Abend mit Marcel Prawy, eine Klimt-Modegala mit Kreationen des Designers Atil Kutoglu und Kunstreisetouren "Klimt in Wien" runden das Programm ab. Zudem hat die Kunstzeitschrift "Parnass" ein eigenes Klimt-Sonderheft herausgebracht.

Klimts "animalische" Ausstrahlung

Die Ausstellung der Österreichischen Galerie lässt auch wieder die Frage "Hat Klimt mit diesen Frauen etwas gehabt?" aktuell werden. Über die Antwort war sich die Wiener Jahrhundertwende-Society sicher - ja, er hat. Was den Reiz der Klimt-Bilder und den Ruf des Malers als Platzhirsch wohl auch aufheizte - und in das vom Meister nicht ungepflegte Bild des libertären Genies passte.

"Bei fast jeder der von Klimt Porträtierten kursierte das Gerücht", erzählt Ausstellungskurator Tobias D. Natter. Erotik war nicht nur ein Thema seines Werks, er selbst muss auch sehr erotisch gewirkt haben. Noch nach Jahren schwärmten die Damen von der "animalischen Ausstrahlung" des Malers.

"Süße Mädeln" vernascht

Dass Klimt die "süßen Mädeln" unter seinen Modellen auch "vernascht" hat, daran wird nicht gezweifelt. Im Klimt-Sonderheft der Zeitschrift Parnass führt Sibylle Fritsch an, dass 14 Ex-Modelle nach dem Tode Klimts beim Testamentsvollstrecker die Vaterschaft für ihre Sprösslinge sichern wollten. Drei Vaterschaften hat der Junggeselle Klimt selbst anerkannt.

Größte Klimt-Schau im Dritten Reich

Überraschend: Die größte Klimt-Schau des Jahrhunderts fand 1943 statt - im Künstlerhaus, auf persönliche Initiative des Reichsstatthalters Baldur von Schirach. Klimts schöne Jüdinnen, die "belles juives", sind dabei zu namenlosen Frauenporträts geworden, das Porträt der Adele Bloch-Bauer I mutierte zur "Frau in Gold". Und während die Frankfurter Zeitung eine "Auferstehung" Klimts feierte, waren seine Modelle zwangsenteignet und, so sie nicht fliehen konnten, ermordet worden.

Einer der teuersten Künstler

"Exorbitant" nannte zu Beginn des vorigen Jahrhunderts ein Beamter des Unterrichtsministeriums in einem Aktenvermerk den Preis von 10.000 Kronen für Gustav Klimts Porträt der Emilie Flöge, das nun im Oberen Belvedere zu sehen ist.

"Exorbitant" ist der Wert der Klimt-Bilder auch heute. Die Versicherungswerte der Leihgaben für die Klimt-Schau betragen über vier Milliarden Schilling (291 Mill. Euro), wozu noch einmal diese Summe für die Klimt-Porträts aus der eigenen Sammlung der Österreichischen Galerie hinzugerechnet werden muss.

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