Kultur

Malend aus der Krise

23.02.2007 | SN
Als Autor ist Hermann Hesse Kult und "Weltstar". Aber ist er ein guter Maler? Das Leopold Museum Wien zeigt eine unbekannte Seite des deutschen Dichters.

ERNST P. STROBL Wien (SN). Da geht man gespannt in eine Ausstellung mit bildender Kunst und kommt heraus mit der unbändigen Lust zu lesen. Nicht, dass die rund 100 Aquarelle so enttäuschend sind, aber eine Offenbarung sind sie nicht. Hermann Hesse (1877-1962), Literaturnobelpreisträger des Jahres 1946 und in den 70er Jahren im Gefolge einer Rockband namens "Steppenwolf" zum Kultautor der damals jungen Generation geworden, wird im Wiener Leopold Museum mit der Ausstellung "Hermann Hesse, Dichter & Maler" in anderem Licht gezeigt.

Volker Michels, Herausgeber der literarischen Werke Hesses im Suhrkamp Verlag und Kurator der Ausstellung, brachte es auf den Punkt: Hesse schrieb seine Bücher zur Bewältigung von Krisen, und er malte auch aus denselben Motiven. Nur: "Krisenmalerei" ist das nicht, Hesse flüchtete sich in die Idylle der Schweizer Umgebung. Der Autodidakt hatte auf Rat eines Arztes nach einer schweren Nervenkrise erst mit 40 Jahren zu malen begonnen. Nicht unbegabt. Die Bilder sind von Malerfreunden beeinflusst, vor allem von August Macke.

Museumsherr und Sammler Rudolf Leopold gesteht auf die Frage, ob er jemals Kunst von Hermann Hesse gesammelt habe, seine Verehrung für den Schriftsteller, doch ein Bild würde er nicht kaufen.

Die Ausstellung ist zweigeteilt und bietet Einblicke in Leben und Werk Hermann Hesses. Von Geburtsurkunde über Korrespondenz, von Schreibmaschine bis Strohhut ist vieles an liebenswerten Devotionalien versammelt. Schon die Korrespondenz ist vielfach geschmückt mit kleinen Aquarellen. Der Rundgang durch die Bilderschau ist chronologisch und lässt Entwicklungen erkennen, vor allem was die Farbwahl betrifft. Die Motive sind Häuser und Landschaften.

Die Bewältigung von persönlichen Krisen, einer der Brennpunkte in Hesses reichhaltigem Werk neben Fragen der Religion und Politik, ist in den Aquarellen nicht erkennbar, höchstens zu erahnen. Hermann Hesse war sich der künstlerischen Grenzen bewusst. Immerhin schaffte er es, in den Inflationsjahren nach dem Ersten Weltkrieg vom Verkauf illustrierter Gedichte zu leben. Malen wird eher zu einem Mittel, um Abstand zur Literatur zu gewinnen.

"Meine Aquarelle sind eine Art Dichtung oder Träume, sie geben von der Wirklichkeit bloß eine ferne Erinnerung und verändern sie nach persönlichen Gefühlen und Bedürfnissen...", ist in einem Brief zu lesen. Ja, so kann man das sehen.Information: "Hermann Hesse. Dichter & Maler". Bis 3. Juni, Leopold Museum Wien. http://www.leopoldmuseum.org

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