Kultur

Der Ölschinken aus dem Supermarkt

07.12.2007 | SN
Neue Supermärkte bieten für Kunstfreunde Geschenkalternativen in Form preiswerter Kunst ERNST P. STROBL

ERNST P. STROBL Wien (SN). Das Weihnachtsgeschäft macht nicht vor der Kunst Halt. Und sollte das Christkind über keinerlei Kunstgeschmack verfügen, macht es auch nichts. Man kann umtauschen wie beim Fehlkauf eines Pullovers oder man schenkt gleich einen Gutschein. Abseits von Galerien hat sich ein neuer Geschäftszweig etabliert, der Kunst wie im Supermarkt anbietet.

1998 sorgte im deutschen Marburg der erste Kunstsupermarkt für Aufsehen, ein Jahr später eröffnete in Frankfurt eine Filiale, mittlerweile ist das Kunstvertriebssystem bis nach Berlin vorgedrungen und hat heuer erstmals in Wien eine auf acht Wochen befristete Niederlassung eingerichtet. Doch der "1. Wiener Kunstsupermarkt" in der Mariahilferstraße war nicht der erste. Schon im April hatte der Architekt Christian Smretschnig in der Westbahnstraße 9 seinen Kunstsupermarkt "M-ARS" eröffnet und beschwerte sich. Peter Doujak als Organisator des "Wiener Kunstsupermarkts" kürzte den Namen, das Geschäft läuft dennoch ungestört.

In der Mariahilferstraße 103 zeigt man sich zufrieden. In den ersten drei Wochen zählte Doujak rund 6000 Besucher, an die 700 Bilder wurden verkauft. Die Dauer der Verkaufsschau wurde mittlerweile bis 14. Jänner 2008 verlängert.

Das Konzept der beiden Kunstsupermärkte ist ähnlich angelegt. Künstler können sich bewerben, dann wird ausgewählt, im "Wiener Kunstsupermarkt" soll jeder der rund 40 Künstler mit rund 40 Werken in allen Preisklassen (50, 99, 199 oder 299 Euro) vertreten sein. Vor allem sind es Öl- und Acrylgemälde und Grafiken, Aquarelle und auch Kleinplastiken, die angeboten werden. Die Künstlerschar ist international ausgewählt. Vorwiegend aus Deutschland, Belgien oder Spanien, aber auch aus Argentinien und Mali stammen die Künstler.

Bei M-ARS ist sogar eine hochkarätige Jury - Kunsthallendirektor Gerald Matt, Peter Noever, Direktor des MAK u. a. - dafür zuständig, dass kein Kitsch die Regale erobert. Immerhin bewürben sich täglich an die dreißig Künstler um Aufnahme, sagt Andrzej Smycz von M-ARS. Bei einem Rundgang finden sich Absolventen diverser Kunstakademien und Hochschulen oder der Universität Mozarteum neben Acryl-Autodidakten, ansprechende Talentproben gibt es in Zeichnung oder Fotografie ebenso wie in Kleinskulptur oder Malerei.

Es gibt eine Preisobergrenze von 899 Euro. Wer bei M-ARS als Liebhaber groß dimensionierter Kunst in Öl fündig werden will, muss in eine "teure" Dependance im Justizzentrum Wien-Mitte ausweichen. Dort kann man sich die Rechnung für die Kunstwerke sogar über das Handy abbuchen lassen.Info im Internet: www.m-ars.at, www.kunstsupermarkt.de.

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