


vergrößern 467x700Arbeit von Heinrich Dunst (2009/10).
Mit Laokoon, dem trojanischen Priester, der im Apollontempel Unzucht trieb und Gotteszorn erntete, hat die Ausstellung Laokoon nichts zu tun. Vielmehr ist für Kurator Severin Dünser die theoretische Schrift Laokoon von Lessing Ausgangspunkt. Der Dichter hatte ausgehend von der berühmten römischen Laokoon-Gruppe Überlegungen zur Vergleichbarkeit von Poesie und Malerei angestellt. Im Gegensatz zur Dichtung arbeite die Malkunst nicht mit zeitlich aufeinanderfolgenden Zeichen, sondern ihrem Nebeneinander. Die narrativen Qualitäten der Malerei, schloss er, seien quasi eingeschränkt, müssten sich auf den zentralen, "fruchtbarsten Augenblick" fokussieren.
Dass Gegenstände und Bilder der Kunst zuweilen doch über den Augenblick hinausweisen, illustrieren Arbeiten, die teilweise den Prozess zwischen Sehen und Begreifen einfangen: Gedi Sibonys bildimitierende Installation aus Verpackungsmaterialien verweist sogar auf eine Darstellung, die außerhalb des Bildes liegt. Ebenso verweisen Heinrich Dunsts mannshohe Dämm-Buchstaben N, O, R und A auf Kontexte jenseits des Gegenstands.
Von Ernst Jandls Poesie und Bild vereinender Sprachkunst wird Lessing im Übrigen ausgehebelt: Dessen Lippengedichte denken den Prozess des Handelns mit, soll dieser doch beim stummen Lesen die Lippen formen. Nicht alle Beispiele sind so stimmig wie dieses; formal sind die kunsttheoretischen Diskurse allemal interessant. Bildauskünfte werden vor Ort gerne erteilt. (kafe, DER STANDARD - Printausgabe, 18./19. Dezember 2010)
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