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23.05.2003 - Ausstellung
Von Bildern und Kriegen
Die Macht der Bilder im Zeitalter der Kriege und der Medien analysiert und decouvriert die Kunsthalle Wien in einem engagierten Projekt. „Attack!“ versammelt an die vierzig Positionen, künstlerische genauso wie theoretische.
Von Johanna Hofleitner


Die Welt brodelt, kocht. Und immer wieder kommt es zu Kriegen, Terror. Kosovo, Israel, Afghanistan, Irak, der 11. September, alles nicht vernarbte Eindrücke. Die Welt will das sehen und wissen, dass es gesehen wird. Je nach Standpunkt. Das Publikum genauso wie die Krieg führenden Parteien. Bildtechnologie ist – besonders in dem Zusammenhang – eines der wichtigsten Kommunikationsinstrumente. Das Fernsehen ist hierbei ein Kanal, der schnellere, die Zeitungen der andere, bedächtigere. Extreme Nähe und Ferne bilden da eine unheilige Allianz.

Dass Kriegsberichterstattung mehr mit Propaganda denn mit Information und Dokumentation zu tun hat, ist bekannt. Das gilt für Bildberichte vielleicht noch stärker als für das gesprochene, geschriebene Wort. Bilder wirken emotional, mit Bildern kann man Politik machen. Aber Bilder unterhalten auch. „Eine verbotene Lust am Kriegerischen geht um in unserer Gesellschaft, die ihren Bürgern alles gab und so auch die Langeweile“, konstatierte ein bekannter Zeit-Redakteur. Ein Krieg ohne Bilder ist fast wie kein Krieg. Und der Fotohistoriker Hans-Michael Koetzle streute in einen Kommentar über den amerikanischen Star-Kriegsfotografen James Nachtwey die pikante Formulierung ein: „Bilder vom Krieg erfreuen sich einer ungebrochenen Attraktivität.“

Einen Versuch, die Macht der Kriegsbilder zu dechiffrieren und dekonstruieren, unternimmt die Kunsthalle mit dem Großprojekt „Attack!“ An die vierzig internationale Künstler, Künstlergruppen und Theoretiker liefern in Ausstellung und Symposium Beiträge, in denen das Vokabular der medialen Kriegsberichterstattung kräftig gegen den Strich gebürstet wird. Dass den Bildmedien und ihrer Repräsentationsmacht besondere Aufmerksamkeit gilt, resultiert aus der thematischen Vorgabe. Dokumentarisches Vorgehen, die Simulation der Reportage, die Arbeit mit Landkarten, aber auch das Zitieren von Symbolen und Bildern der Macht bestimmen die Ästhetik der zeitgenössischen künstlerischen Beiträge. Martha Rosler etwa stellt Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg und dem Jugoslawienkrieg, Grafiken und Bilder der Parade zum Ende des Golfkrieges 1991 neben die Aufnahme eines am Flohmarkt erspähten Hitler-Porträts. Öyvind Fahlstrom oder Peter Fend wiederum arbeiten mit kartografischen Methoden, um legitimierte Geografien zu hinterfragen. Weitere Beiträge von Afrika, Apsolutno, Brudermann, Debord, Green, Hamilton, Marker, Schorr, Tillmans, Virilio u. a. n

 

Tipp:
KUNSTHALLE Wien: „Attack!
Kunst und Krieg in den Zeiten der Medien“, 23. 5.–21. 9., Infoline: 01/52189-33
http://www.kunsthallewien.at/

 

Attack!
Kunst und Krieg in den Zeiten der Medien


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