Kultur

Rot steht für das Fühlen, Rosa für Liebe

22.02.2007 | SN
Wortflaggen aus Neonglas des italienischen Lichtkünstlers Mauricio Nannucci - "Was sehen, was nicht zu sehen ist" GUDRUN WEINZIERL

Gudrun Weinzierl Interview Sechs drei Meter hohe und eineinhalb Meter breite Wandinstallationen aus bunter Leuchtschrift in Neonglas sind seit kurzem in der Galerie Ruzicska in Salzburg zu sehen. Sie wirken wie leuchtende Flaggen und sind neue Arbeiten von Mauricio Nannucci. Mit dem weltweit anerkannten Lichtkünstler sprachen die SN über dessen Arbeit.

Sechs Variationen eines Satzes in jeweils anderem Licht auf der Wand: "What to see what not to see." Stellen Sie damit Fragen nach Wahrnehmung und Erkenntnis? Nannucci: Meine Texte sind die Reflexion meiner Denkspuren. Es sind nur selten wörtliche Zitate, oft aber ist es die Auseinandersetzung mit Literatur, Philosophie, politischer, sozialer, künstlerischer Utopie. Mit "Sehen" und "Nichtsehen", "Hören" und "Nichthören" stelle ich in den Raum, was ich mit einer anderen Arbeit dieser Ausstellung anspreche: "Art is not intended do be perfectly transparent in meaning." (dt. etwa: "Kunst ist nicht dafür bestimmt, dass ihre Bedeutung vollkommen transparent ist.")Wählen Sie Englisch, weil diese Sprache viel mehr Menschen verstehen als das Italienische? Nannucci: Nein, auf Italienisch könnte ich nicht das Gleiche so dicht und kurz ausdrücken. Das Englische zwingt mich, auf den Punkt zu kommen. Manchmal kann ich ein intuitiv mir zufallendes Wort in eine Lichtinstallation umsetzen, oft aber ist das ein langer und wortreicher Prozess, der sich dann verdichtet. Ich habe eine ganze Textsammlung, und nur manches wird in eine Lichtinstallation umgesetzt.Seit den späten 60er Jahren verbinden Sie Sprache bzw. Schrift mit Licht und setzen diese Kombination in einen Raum. Warum? Nannucci: Mir ging es um die Visualisierung von Sprache in Form von Schrift, Buchstaben und Phrasen im Raum. Bevor ich Schriftzeichen in Licht umsetzte, hatte ich 1964 bis 1966 mit der mechanischen Schreibmaschine meine "Dattilogrammi" geschaffen. Das waren hunderte von Arbeiten auf Papier, die durch die einzelnen Buchstaben in teils verschiedenen Farben des Schreibmaschinenbandes kreiert wurden. Was heute die Wand ist, war damals das Papier, auf dem Sprache visuell umgesetzt wurde.

In diesen Jahren haben mehrere Kunstrichtungen das Licht eingesetzt, die Arte Povera in Italien ebenso wie die Concept-Art oder die Pop-Art. Mir ging es schon immer um Struktur, um Leere, um Monochromie und wie aus der Leere heraus etwas Form annimmt.

Licht und Wort gehen Symbiose ein Auch heute arbeite ich so: Zuerst kommt das Blatt, das Papier, dann wird ein Gedanke auf die Wand projiziert und von dort strömt er durch das Licht in den Raum und in die Ecken. Das Licht und das Wort gehen eine Symbiose ein. Der Raum wird durch das Licht moduliert.Sie arbeiten in Ihren Installationen sehr präzise. Bei Bruce Nauman, einem anderen Lichtkünstler, sind auch die Kabel oder ein Trafo zu sehen. Warum bei Ihnen nicht? Nannucci: Mir geht es um exakte Proportionen. Der Mensch soll bei der Betrachtung meiner Buchstaben, der Wörter oder der Kalligrafie, die von meiner Handschrift geprägt sind, sich verlieren können, gleichsam durch eine offene Tür eintreten können. Ich vergleiche das mit dem "Schwarzen Quadrat" von Malewitsch. Diese Proportionen dürfen keineswegs aggressiv wirken, den Menschen einschüchtern wollen.

Deshalb sind meine Arbeiten nie von der Augenhöhe des Betrachters her zu begreifen, sondern entweder von einem höheren oder viel tieferen Blickpunkt. Hat das Licht auch die Funktion, symbolisch transparent zu machen, was in den Worten verschleiert liegt? Nannucci: Nein, ich habe keinen symbolischen Ansatz, auch keinerlei transzendentalen, der auf eine Metaebene hinweisen sollte. Licht vermittelt auch nicht mehr diese elementare Attraktion, die es vor hundert Jahren in der Kunst hatte.

Mein Licht ist ein sehr modernes, das "City-Light". So verstehe ich meine Lichtbänder und Lichtschriften auch als Interventionen in einem urbanen Kontext.

Die Farbe verwende ich hier intuitiv, da klingt im Betrachter auch Symbolik an: Rot steht für das Fühlen, das Rosa für die Liebe, Grün ist in der Natur dominant, Blau steht oft für Wahrnehmung.Bis 24. März, Galerie Ruzicska, Salzburg, Faistauerg. 12, Internet: www.ruzicska.com

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