Kunst eröffnet anderes Sehen
Öffentlicher Raum. Das Angebot an Kunst auf öffentlichen Plätzen der Stadt Salzburg wird immer reicher. Doch sie wird kaum beachtet.
Hedwig Kainberger Salzburg-Stadt (SN). „Schiller ist ein Muss!“, rief der Kunsthistoriker Thomas Zaunschirm am Montagabend in einer der ersten Veranstaltungen im „Igel“ oder „White Noise“ auf dem Mozartplatz. Dieser Ruf nach solcher Pflicht für jeden Spaziergänger war mit Ironie unterlegt. Denn: Um das Denkmal Friedrich Schillers im Furtwänglerpark kümmere sich kaum jemand, „seitdem die Nazis es 1941 dorthin gestellt haben“, sagte der Kunsthistoriker, der in Wien lebt und an der Universität Salzburg unterrichtet hat. Es stamme aus 1866, aus der Villa von Baron Schwarz. Auch dass es vor vier Jahren restauriert worden sei, falle kaum jemandem auf.
Dies schilderte Thomas Zaunschirm in einer Diskussion, veranstaltet von der Galerie im Traklhaus. Er nannte ein weiteres Beispiel für kaum beachtete Kunst im öffentlichen Raum: „Die Liegende“ Fritz Wotrubas im Durchgang von Universität Mozarteum zu Mirabellgarten. „Kein Mensch schaut sich die an.“ Trotzdem sei sie Wind und Regen ausgesetzt. Thomas Zaunschirm regte an, der betrachtenswerten Skulptur wenigstens den Schutz eines Museum zu bieten.
Warum wird Kunst im öffentlichen Raum so wenig beachtet? Weil sie gratis sei, erläutert der Kunsthistoriker. Gratisleistungen würden nie ihrem Wert gemäß geschätzt.
Das Gute verkommt, das Mediokre oder Schlechte bleibt, und geredet oder geschimpft wird nur über Neues. Allerdings: „Kunst ist für die da, die anderes sehen wollen“, sagte Zaunschirm. Wer nur das Gleiche sehen wolle, erkenne in der Kunst nichts „oder mag sie nicht“.
An diesem Abend im „Igel“ wurde deutlich, wie reich das Gratisangebot an Kunst in der Stadt Salzburg geworden ist, teils an temporären Werken (wie Kontra.com oder Skulpturen Bernar Venets auf dem Krauthügel), teils an fixen Standorten mit einer kaum übersehbaren Zahl an Werken: Sei es Marina Abramovic (Staatsbrücke), Stephan Balkenhol (Kapitelplatz), Thomas Baumann (Landestheater), Pino Castagna (Universität Mozarteum), Emilio Greco (Furtwänglerpark), Giacomo Manzù (Dombögen), Josef Zenzmaier (Hof Sbg. Museum) oder Heimo Zobernig (Bahnhofsplatz).



















