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21er Haus: Alles erhalten und doch ganz neu

20.09.2011 | 19:57 | Von Sabine B. Vogel (Die Presse)

Der seit 2008 umgebaute Stahl-Glas-Kubus im Schweizergarten wird am 15. November offiziell eröffnet. Eine erste Begehung zeigt bereits: Durch Adolf Krischanitz hat das Ein-Raum-Museum an Stringenz gewonnen.

Die Hohlräume im Dach waren mit Asbest gefüllt, die geschwungenen Treppen brandschutztechnisch eine Katastrophe, die Säulen nicht erdbebensicher, und die Klimaanlage war mehr als grenzwertig. Und trotzdem wurde vor neun Jahren beschlossen, das 20er Haus am ehemaligen Südbahnhof nicht nur als Baudenkmal zu erhalten, sondern es zu adaptieren.
Und das mit guten Grund: Denn erstens ist das Haus eine Bereicherung für das zukünftige Hauptbahnhof-Gelände, und zweitens ist es eines der wenigen öffentlichen Häuser in Wien, die ganz im Geist der Moderne entstanden.
Gebaut 1957 für die Weltausstellung in Brüssel, diente der Stahl-Glas-Kubus ursprünglich als österreichischer Pavillon. Das Gebäude des Architekten Karl Schwanzer war so erfolgreich, dass es sogar eine Goldmedaille als bestes Bauwerk gewann – und kurz nach Ende der Weltausstellung nach Wien verfrachtet wurde, um als Museum des 20. Jahrhunderts weiter genutzt zu werden. In Brüssel bestand es nur aus der oberen Etage, das Erdgeschoß war offen. Als Museum erhielt es dann die heute so prägnante Glaskonstruktion mit dem Skulpturengarten rundherum. 1962 war Eröffnung. Anfangs noch mit lauter kleinen Wänden für Malerei-Ausstellungen zugebaut, galt die offene Architektur bald vor allem in Einzelausstellungen als herausfordernde Avantgarde. Mehr und mehr Künstler gingen direkt auf die außergewöhnliche, leichte, lichtdurchflutete und wandfreie Architektur ein. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts hatte das 20er Haus Kultcharakter.

Erste Bauphase ab 2008

Mit dem Umzug des MUMOK in das Museumsquartier verlor das Gebäude seine Anbindung, wurde aber im Jahr 2002 in das Belvedere eingegliedert. Den EU-weit ausgeschriebenen Wettbewerb zur Adaptierung gewann unter 86 Einreichungen Adolf Krischanitz, einst Schüler von Schwanzer. „Aber Geld war keines da,“ erinnert sich der Wiener Architekt. In einer Mischfinanzierung aus Bund, BMWFJ, der Wotruba-Stiftung, Sponsoring und Eigenmitteln des Belvedere konnte dann 2008 die erste Bauphase beginnen. Drei Jahre Bauzeit später ist das neue 20er Haus jetzt nahezu fertiggestellt. Gesamtkosten: zirka 31,9 Millionen Euro.
Auf den ersten Blick scheint alles beim Alten geblieben zu sein: Die Grundstruktur ist  erhalten, alle primären Konstruktionen wie Säulen und Türen und auch das Kino sind unverändert, sogar die Originalfarben wurden rekonstruiert. Aber statt über eine Wiese rundherum betreten wir das Haus jetzt über einen Kiesgraben, der die neu hinzugebauten Untergeschoße belichtet. Dort werden die Wotruba-Stiftung mit 500 Steinskulpturen und 2500 Zeichnungen und einem Kinderatelier, im Stockwerk darunter die Artothek und Depots untergebracht.
Auch ein Restaurant ist geplant, in Zusammenarbeit von Krischanitz mit Herman Czech. Die gesamte Fläche des Hauses erstreckt sich jetzt über vier Geschosse auf 6825 Quadratmetern, davon 2275 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Das ist eine enorme Vergrößerung.

Drei große Ausstellungen pro Jahr

Als lesbares Zeichen der Überführung der modernen Architektur in eine nachmoderne Adaptierung ist der Name geändert: vom 20er zum 21er Haus. Und auch im Hauptteil des Hauses hat sich einiges verändert: Die geschwungenen Freitreppen in das Obergeschoß sind verschwunden. Sie sind eingehaust; der Brandschutz hat es notwendig gemacht. Zugegebenermaßen gewinnt die monumentale Mittelhalle ohne diese Bauelemente deutlich an Stringenz. Nichts stört mehr den Blick, der durch dieses fantastische Ein-Raum-Museum von der Tür bis in den Schweizer Garten reicht.
Drei große Ausstellungen sollen hier pro Jahr stattfinden. Zwar ist das notwendige Budget von 4,4 Mio Euro noch nicht gesichert, aber die Eröffnungsausstellung „Schöne Aussichten“ steht schon fest: Installationen von Lucio Fontana, Andrea Fraser, Marcus Geiger und anderen mit Künstlerräumen von Oswald Oberhuber, Christoph Schlingensief, Christian Philipp Müller, Franz West. Und außen wird dann auch langsam der Skulpturengarten neu aufgestellt. Der Anfang ist bereits mit Lois Weinbergers „Unkrautgarten“ gemacht.

21er Haus, Wiedereröffnung am 15. November


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