Die
Hohlräume im Dach waren mit Asbest gefüllt, die geschwungenen Treppen
brandschutztechnisch eine Katastrophe, die Säulen nicht erdbebensicher,
und die Klimaanlage war mehr als grenzwertig. Und trotzdem wurde vor
neun Jahren beschlossen, das 20er Haus am ehemaligen Südbahnhof nicht
nur als Baudenkmal zu erhalten, sondern es zu adaptieren.
Und das
mit guten Grund: Denn erstens ist das Haus eine Bereicherung für das
zukünftige Hauptbahnhof-Gelände, und zweitens ist es eines der wenigen
öffentlichen Häuser in Wien, die ganz im Geist der Moderne entstanden.
Gebaut
1957 für die Weltausstellung in Brüssel, diente der Stahl-Glas-Kubus
ursprünglich als österreichischer Pavillon. Das Gebäude des Architekten
Karl Schwanzer war so erfolgreich, dass es sogar eine Goldmedaille als
bestes Bauwerk gewann – und kurz nach Ende der Weltausstellung nach
Wien verfrachtet wurde, um als Museum des 20. Jahrhunderts weiter
genutzt zu werden. In Brüssel bestand es nur aus der oberen Etage, das
Erdgeschoß war offen. Als Museum erhielt es dann die heute so prägnante
Glaskonstruktion mit dem Skulpturengarten rundherum. 1962 war
Eröffnung. Anfangs noch mit lauter kleinen Wänden für
Malerei-Ausstellungen zugebaut, galt die offene Architektur bald vor
allem in Einzelausstellungen als herausfordernde Avantgarde. Mehr und
mehr Künstler gingen direkt auf die außergewöhnliche, leichte,
lichtdurchflutete und wandfreie Architektur ein. Gegen Ende des 20.
Jahrhunderts hatte das 20er Haus Kultcharakter.
Erste Bauphase ab 2008
Mit dem Umzug des MUMOK in das Museumsquartier verlor das Gebäude
seine Anbindung, wurde aber im Jahr 2002 in das Belvedere
eingegliedert. Den EU-weit ausgeschriebenen Wettbewerb zur Adaptierung
gewann unter 86 Einreichungen Adolf Krischanitz, einst Schüler von
Schwanzer. „Aber Geld war keines da,“ erinnert sich der Wiener
Architekt. In einer Mischfinanzierung aus Bund, BMWFJ, der
Wotruba-Stiftung, Sponsoring und Eigenmitteln des Belvedere konnte dann
2008 die erste Bauphase beginnen. Drei Jahre Bauzeit später ist das
neue 20er Haus jetzt nahezu fertiggestellt. Gesamtkosten: zirka 31,9
Millionen Euro.
Auf den ersten Blick scheint alles beim Alten
geblieben zu sein: Die Grundstruktur ist erhalten, alle primären
Konstruktionen wie Säulen und Türen und auch das Kino sind unverändert,
sogar die Originalfarben wurden rekonstruiert. Aber statt über eine
Wiese rundherum betreten wir das Haus jetzt über einen Kiesgraben, der
die neu hinzugebauten Untergeschoße belichtet. Dort werden die
Wotruba-Stiftung mit 500 Steinskulpturen und 2500 Zeichnungen und einem
Kinderatelier, im Stockwerk darunter die Artothek und Depots
untergebracht.
Auch ein Restaurant ist geplant, in Zusammenarbeit
von Krischanitz mit Herman Czech. Die gesamte Fläche des Hauses
erstreckt sich jetzt über vier Geschosse auf 6825 Quadratmetern, davon
2275 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Das ist eine enorme Vergrößerung.
Drei große Ausstellungen pro Jahr
Als lesbares Zeichen der Überführung der modernen Architektur in
eine nachmoderne Adaptierung ist der Name geändert: vom 20er zum 21er
Haus. Und auch im Hauptteil des Hauses hat sich einiges verändert: Die
geschwungenen Freitreppen in das Obergeschoß sind verschwunden. Sie
sind eingehaust; der Brandschutz hat es notwendig gemacht.
Zugegebenermaßen gewinnt die monumentale Mittelhalle ohne diese
Bauelemente deutlich an Stringenz. Nichts stört mehr den Blick, der
durch dieses fantastische Ein-Raum-Museum von der Tür bis in den
Schweizer Garten reicht.
Drei große Ausstellungen sollen hier pro
Jahr stattfinden. Zwar ist das notwendige Budget von 4,4 Mio Euro noch
nicht gesichert, aber die Eröffnungsausstellung „Schöne Aussichten“
steht schon fest: Installationen von Lucio Fontana, Andrea Fraser,
Marcus Geiger und anderen mit Künstlerräumen von Oswald Oberhuber,
Christoph Schlingensief, Christian Philipp Müller, Franz West. Und
außen wird dann auch langsam der Skulpturengarten neu aufgestellt. Der
Anfang ist bereits mit Lois Weinbergers „Unkrautgarten“ gemacht.
21er Haus, Wiedereröffnung am 15. November
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