Galerie Ulysses: Arbeiten von Karel Appel
Bleicher Mond im Liebestraum
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Er war im April 2001 achtzig Jahre alt.
Seine Bilder und Skulpturen befinden sich in allen namhaften Museen der
Welt und zeigen gleichbleibende Qualität seit den späten vierziger Jahren:
Karel Appel, legendärer Mitbegründer der Gruppe "Cobra" nach den
Vertretern wilder Malerei aus Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam nach dem
Krieg. Ihm gelten aktuelle Ausstellungen im Stedeijk Museum Amsterdam, im
Gemeente Museum Den Haag, und Amstleven hat der Gruppe "Cobra" ein eigenes
Museeum gewidmet, obwohl deren Bestand nach wenigen Jahren schon wieder
beendet war: ihr Mythos lebt noch. Die Galerie Ulysses zeigt nur noch
bis 28. Juli großformatige Mischtechnikbilder (Öl und Acryl), 2000 durch
den Altmeister gestaltet. Die Serie "Der Machtwille der Planeten"
spielt auf eine persönliche Wandlung an: War es früher ein regelrechter
Krieg, den Appel auf der Leinwand ausfocht, sind es jetzt kosmische
Dimensionen. Die Frische ist erstaunlicherweise nicht gewichen und auch
die Kraft ist noch da: formal wie farblich. Das Zwischenreich von
abstrahierten Figuren, Pflanzen usw. mit Zeichen und Flecken aus einer
Epoche der Malerei, in der erstmals pluralistische Tendenzen auftraten,
Existenzialismus und Semiotik sowie andere philosophische Strömungen
aufgenommen wurden, spiegelt sich auch noch in "The wild man" oder "The
Headhunter" in sehr harmonischer Art und Weise. Appel ist vielleicht
allein durch diese Harmonie einem meditativeren Standpunkt näher geraten,
"wilde Malerei" bleibt es aber doch. Die Orientierung an der Kinder-,
Volks- und Geisteskrankenkunst ist als eine der großen Errungenschaften
des 20. Jahrhunderts immer noch spürbar. "Peaceful Space" oder "Flowers"
sind dafür besonders schöne Beispiele. Angesichts von "My Belly is a
Desire without End" muss man sagen: Der Geist "Cobra" ist mit Appel noch
sehr wach. Ganz subjektiv zum Ende: Eigentlich ist Appel viel lebendiger
und aktueller, als es der alte Picasso war. Im Katalog mit Abbildern der
ganzen Serie und einem Text von Florian Steiniger sind auch lesenswerte
Gedichte des Künstlers den Bildern zugeordnet.
Erschienen am: 11.07.2001 |
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