Grazer Ansichtskarten

Unter dem Titel "Sight.Seeing" zeigt die vierte in Graz stattfindende Fototriennale ungewöhnliche Ansichten der Kulturhauptstadt Graz.


Gezeigt werden 20 Positionen von internationalen Künstlern, die in ihren Fotoarbeiten auf bisher so noch nicht gesehene Facetten der steirischen Landeshauptstadt aufmerksam machen wollen.

Präsentiert werden die Arbeiten an mehreren Orten der Stadt: in Banken, Kaufhäusern, Versicherungsanstalten, aber auch an Würstelbuden, auf Bierdeckeln und im Internet. Zu sehen ist die Foto-Triennale, die am vergangenen Freitag eröffnet wurde, bis 28. Februar.

Gewesenes

Die Österreichische Triennale zur Fotografie findet seit 1993 statt. 1993 waren zeitgenössische Fotoarbeiten zum Thema "Krieg", 1996 zum Thema "Radikale Bilder" und 1999 zu "Public Domain" zu sehen.

Die vierte Ausgabe dieser Fotoausstellung mit dem Titel "Sight.Seeing" will neue Sichtweisen auf eine Stadt zeigen und zugleich in diesem Stadtraum - in seinen öffentlichen und halböffentlichen Bereichen - präsentieren, so der Kurator der Ausstellung, der Grazer Kunsthistoriker Werner Fenz.

Stadtansichten

20 Künstler aus Europa, den USA und Kanada - unter ihnen Alain Bublex aus Lyon, der kalifornische Fotokünstler Miles Coolidge oder der britische Magnum-Fotograf Martin Parr, wurden bereits im vergangenen Sommer in die steirische Landeshauptstadt eingeladen, um die Stadt zu erkunden und ihre ganz spezielle Sicht fotografisch wiederzugeben.

Traditionelle Ansichtskartenfotos darf sich der Besucher der Schau allerdings nicht erwarten. "In den vorliegenden Arbeiten sieht man deutlich, dass es den Künstlern heute nicht um die Wiedergabe der Architektur, der Straßen und Plätze oder der stimmungsvollen Winkel der Stadt geht, sondern um ein verstärktes Engagement für die Vielschichtigkeit der Lebensräume und ihrer wirtschaftlichen und politischen Bedingungen", so Fenz.

Irritierende Schnappschüsse

Die Verweigerung der Fotografen vor dem klassischen Ansichtskartenmotiv geht beispielsweise so weit, dass der Amsterdamer Künstler Edwin Zwakman selbst die Produktion von "schönen" Ansichtskartenfotos verhindert, indem er vor eine der Grazer Sehenswürdigkeiten - das so genannte "Lichtschwert" - ostentativ ein Baufahrzeug stellen lässt und damit das Bild "stört".

Die deutsche Fotokünstlerin Andrea Zapp wiederum lädt das Publikum dazu ein, ihr vom eigenen Heim-PC aus Graz-Ansichten zu mailen, die dann in einem Grazer Laden präsentiert werden.

Bierdeckel und Serviette

Ungewöhnlich sind auch die Mittel der Präsentation: Die Österreicher Johanna und Helmut Kandl bringen ihre Arbeit als Bierdeckel-Aufdruck unter das Volk. Der Lyoner Fotokünstler Alain Bublex wiederum hat seinen Beitrag auf Papiersets drucken lassen, die an einem Würstelstand am Grazer Hauptplatz zum Einsatz kommen.

Tipp:

"Sight.Seeing", 4. Österreichische Triennale zur Fotografie, in der Trauttmansdorff-Passage/ Bürgergasse.

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