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Kunstberichte

Die Schritte aus dem Untergrund

Sammlung Essl Klosterneuburg: "China Now – Neue Kunst aus China"
Illustration
- Mit Ironie begegnet Liu Wei der traditionellen chinesischen Landschaftsmalerei: Aus Gesäßen formt sich eine Hügellandschaft.  Foto: Sammlung Essl Privatstiftung

Mit Ironie begegnet Liu Wei der traditionellen chinesischen Landschaftsmalerei: Aus Gesäßen formt sich eine Hügellandschaft. Foto: Sammlung Essl Privatstiftung

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Bis auf einen kleinen Einblick im Künstlerhaus vor etwa fünf Jahren ist die junge chinesische Kunstszene in Österreich noch unbekannt. Nun bietet die von Feng Boyi kuratierte Schau "China Now" in der Sammlung Essl einen breiten Einblick mit 100 Werken von 42 Künstlern.

Chi Peng bringt von Peking aus, wo die meisten anderen auch tätig sind, globale Terrorängste auf den Punkt: In seiner Serie digitaler Fotografien "Sprinting Forward" laufen nackte Knaben in einer Großstadt gegen den Verkehrsstrom und werden von kleinen roten Flugzeugen verfolgt. Wie lästige Insekten oder aus der Kontrolle geratene Spielzeuge sind sie auch in Gängen eines Bürohauses präsent.

Ein Bogen spannt sich von politischen Themen, Aktionismus und sarkastischem Rückblick auf die Werte der kommunistischen Vergangenheit bis zur Selbstverwirklichung im neuen China.

Das extrem junge Phänomen chinesischer Avantgarde-Kunst kam erst in den Neunzigerjahren aus dem Untergrund. Einige schafften den Sprung zu internationalen Stars. Ein Großteil der Werke stammt wieder aus der Sammlung Essl selbst, die hier die Nase vorne hat – sicher bald ein Vorteil gegenüber anderen Museen.

Traditionelle Themen und Materialien ihres Landes verpflanzen Zhu Jinshi und Qin Yufen nach Berlin, wo sie derzeit arbeiten, und versuchen mit ihren aus Reispapier oder Seidenfächern bestehenden Installationen eine Verschmelzung von östlicher und westlicher Kultur. Alle Medien werden genützt, der westliche Feminismus oder auch Aktionismus ebenso miteinbezogen wie buddhistische Elemente.

Kritische Kommentare

Es gibt auch zahlreiche kritische Kommentare zum China der Gegenwart in Malerei und Fotografie. Ma Liuming von den East Village Performance Artists wurde aufgrund seiner "Geschlechtswandlungen" allerdings verfolgt und inhaftiert. Trotzdem leben nur wenige der kritischen Künstler im Ausland – einer von ihnen ist der als Filmemacher ausgebildete Ai Weiwei. Der rebellische Spott in Fang Lijuns gemalten, modellierten und in Holzschnitt auftauchenden Glatzköpfen, die grinsenden Gestalten von Yue Minjun, aber auch die Fotografien über kollektive Erinnerung von Hai Bo und dem Fotografenpaar Shao Yinong & Muchen riskieren mittlerweile viel. Die Veränderungen der chinesischen Gesellschaft durch Kapitalismus und Globalisierung sind ebenso wichtig wie die Weiterverwendung von Symbolen des Sozialistischen Realismus.

Sensible Kommentare über die Zwangsnormen der Familie zeigen Zhang Xiaogangs monumentale "Bloodline Series" mit "Yellow Baby," aber auch Liu Weis Verwendung behaarter Hinterteile in Art von umnebelten Gipfeln in chinesischen Landschaftsbildern lassen viel Humor zu.

Das Zusammenwachsen von World-Art in diesen seitens der Kunst spannenden Jahren kommentiert Xu Bing – von den USA aus – mit englischen Wörtern, die in Form chinesischer Schriftzeichen auf Wandbehänge geordnet werden.

China Now

Sammlung Essl,

Klosterneuburg

Kurator: Feng Boyi

Zu sehen bis 28. Jänner 2007

Längst Weltkunst.

Montag, 02. Oktober 2006


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