
Oft kommt Pech dazu, und gar nichts passiert. Dieses Pech zu minimieren, wurde das Ausstellungswesen eingeführt, ein Verwertungsmechanismus, der nicht umhinkommt, den unterschiedlich materialisierten Vorwürfen verbal zu begegnen.
Die unmittelbare Folge davon sind Turbulenzen, das Objekt und dessen mögliche verbale Fassungen driften stets auseinander, die Beschreibung versagt. Für das meiste, was dem Objekt im jeweiligen Gegenschlag vorgeworfen wird, kann es nichts. Und – noch lästiger – es verharrt allen Anwürfen gegenüber passiv. Sehen und Sprechen scheidet demnach eine Lücke, ein Riss.
Heinrich Dunst, Künstler, hat dem "Riss" und der "Lücke" ein "Scharnier" beigestellt, und damit im Weitesten "Hoffnung" formuliert. Riss/ Lücke/Scharnier stehen über einer von ihm zusammengetragenen Versammlung von Kunstwerken, die sich zunächst zu einem ästhetisch bestechendem Ganzen fügen, das Idealbild einer Ausstellung spielen.
Alles am richtigen Fleck, die Gewichtung stimmt. Dramaturgie: sehr gut! Der "Eins" folgt aber keine beruhigende Aufforderung zum Setzen, der "Eins" folgt die immer wieder aufs Neue beunruhigende Erkenntnis, dass jede einzelne Arbeit (immerhin wirken u. a. John Baldessari, Konrad Bayer, Marcel Broodthaers, Clegg & Guttmann, Ján Mancuska, Ferdinand Schmatz, Peter Tscherkassky und eben Heinrich Dunst parallel) jener Ordnung, die sie im Ausstellungszusammenhang mit repräsentiert, widerspricht.
Es wird also in einer annähernd perfekten Ordnung bei näherer Betrachtung einem Actionfilm gleich atemlos übereinander "gestolpert", was wiederum die Frage nach dem "Wie" und "Was" dieser Scharniere aufwirft. Welcher Mechanismus hält nun die je autonomen, der (motivierenden) Sehnsucht nach der einen Antwort mit einem Viel an Fragen zuwiderhandelnden Positionen zusammen? Welche Beschläge hat Heinrich Dunst zwischengenietet, um zu seiner Anordnung zu kommen, worauf basiert die Schlüssigkeit seiner Verästelung? Er kittet seinerseits mit Fragen: "Wie sieht jene Repräsentationsform aus, der es unmöglich ist, weder bei dem Sichtbaren noch bei dem Sagbaren stehen zu bleiben?" Womöglich eröffnet sie sich in einer hoch gekonnten Fahrlässigkeit und/oder im Vertrauen darauf, dass nur (s)ein poetischer Zugang derart präzise alles offen lassen kann. (Markus Mittringer/ DER STANDARD, Printausgabe, 31.01.2007)