Kultur

Kunst zur Fastenzeit

21.02.2007 | SN
Fastende Menschen sind offen für Reflexion und Betrachtung. Daher bietet der Dom in Innsbruck ab Aschermittwoch ein ungewöhnliches Kunstwerk.

Innsbruck (SN-hkk). In keinem anderen österreichischen Dom wird den Kirchgängern während der Fastenzeit so aktuelle Kunst zugemutet wie in Innsbruck. Ab heute, Aschermittwoch, bis zum Weißen Sonntag (Sonntag nach Ostern) steht im rechten Seitenschiff ein schwarzer, begehbarer Kubus, den der Tiroler Künstler Johannes Dragosits im Auftrag der Diözese geschaffen hat.

Wer ihn betritt, kann die Form des Kreuzes räumlich spüren. Der Innenraum des Kubus ist in gleicher Form wie viele Kirchen mit Längs- und Querschiff. Allerdings ist Dragosits' "Kreuzraum" nur fünf Schritt lang und drei Schritt breit. Die Wände sind schwarz. Die Lichtröhren auf der Decke markieren zwar die Kreuzform, sind aber im Schnittpunkt unterbrochen. Der Künstler selbst gibt für seine Installation die Anleitung: "zu schweigen, zu warten, im licht der dunkelheit schritt für schritt setzen."

Der Kubus ist eine Maßanfertigung für Innsbruck: Das Verhältnis von Länge und Breite entspricht jenem des Doms. Der Kubus ist genauso breit wie der Epitaph im gegenüberliegenden Querschiff. Und wer aus dem Inneren des "Kreuzraumes" heraustritt, blickt auf den barocken Seitenaltar mit der Pietà.

Auch in den Vorjahren gab es im Innsbrucker Dom Installationen während der Fastenzeit. 2006 hatte der Osttiroler Künstler Georg Planer die beiden Kirchtürme von 120.000 Bienen bewohnen lassen. Die Geräusche vom Innenleben der vier Bienenstöcke wurden über Lautsprecher zu den vier Seitenaltären übertragen. Die Beichtstühle waren mit Bienenwachs ausgekleidet, das Grabmal Maximilians III. war mit Honigwaben ummauert.

Typische Kunstwerke für die Fastenzeit sind die Fastentücher, mit denen prunkvolle Altäre, Kruzifixe und Bilder Jesu während der Fastenzeit verhängt werden, um auf das Leiden Christi hinzuweisen. Oft ist so ein Fastentuch oder Fastenvelum violett, also in der liturgischen Farbe der Fastenzeit. Allerdings gibt es auch viele künstlerische Gestaltungen - sei es mit biblischen Szenen, wie das älteste und größte Fastentuch Österreichs in Gurk aus dem Jahr 1458 oder ein Fastentuch eines zeitgenössischen Künstlers, wie jenes, das Lisa Huber 1999 für den Hochaltar der Stadtpfarrkirche Gmünd geschaffen hat.

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