

Wien - Auf dem für Ausstellungsplakat und Katalog-Cover verwendeten Foto von Franz Hubmann sind Johannes Spalt 30, Wilhelm Holzbauer 20 und Friedrich Kurrent 19 Jahre alt. "So jung hat diese Boy Group eine Rallye gestartet, die die österreichische Architektur in neue Sphären geführt hat. Heute gibt es nur wenige, die wissen, in welcher Breite und Tiefe sie gearbeitet haben. Sie haben die Wiederentdeckung der Moderne betrieben und gleichzeitig an ihrer Fortführung und Überwindung gearbeitet", formulierte der Leiter des Architektur Zentrums Wien (Az W), Dietmar Steiner, bei der Vorstellung der Ausstellung wenige Stunden vor der Eröffnung am Mittwochabend eröffnet wird: "x projekte der arbeitsgruppe 4. Holzbauer, Kurrent, Spalt. 1950-1970" sei "einem wichtigen Meilenstein der österreichischen Architekturgeschichte" gewidmet.
Ganzheitlicher Ansatz
Otto Leitner, der Vierte in dem Quartett, das sich von der Salzburger Gewerbeschule her kannte und bei Gründung der Arbeitsgruppe bei Clemens Holzmeister an der Wiener Akademie der bildenden Künste studierte, beendete bereits 1953 die Zusammenarbeit. Als "Dreiviertler" wurde das verbliebene Jungarchitekten-Trio in der Folge legendär - weniger wegen des (sehr überschaubaren) Umfangs ihres gebauten Werks, sondern wegen ihres ganzheitlichen Ansatzes, der Theorie und Praxis, Bauen und Ausstellen, Gegenwart und Geschichte umfasste, ihrer Atelierfeste, bei denen die bestens vernetzte "arbeitsgruppe 4" die gesamte Wiener Kunst-Avantgarde jener Zeit empfing, sowie wegen Präzision und Schärfe ihres Denkens. "Wenn man dort weitergemacht hätte, dann hätte man sich Postmoderne und Dekonstruktivismus erspart", schmunzelte ein gut gelaunter, heute 78-jähriger Friedrich Kurrent bei der Presseführung.
Die von Sonja Pisarik und Ute Waditschatka kuratierte Ausstellung (deren Titel-X auf das wichtige konstruktive Element ihrer Bauten hinweisen soll) wurde von Siegfried Loos als einziger, gigantischer Arbeitstisch konzipiert, eine Hommage an die damalige Arbeitssituation im Atelier, wie sie in zahlreichen Fotos dokumentiert ist. Auf 27 Meter Länge (akkurat drei Viertel der Länge der Ausstellungshalle) werden in Modellen, Skizzen, Plänen, Fotos und Zeitungsausschnitten 40 der insgesamt 119 Arbeiten der arbeitsgruppe 4 (aus der sich Holzbauer 1964 zurückzog) präsentiert. Verwirklicht wurde lediglich ein knappes Dutzend davon, darunter Aufsehen erregende Arbeiten wie das Erstlingswerk einer Kirche in Salzburg-Parsch, in dem die "arbeitsgruppe 4" in ihrer architektonischen Gestaltung Ergebnisse des vatikanischen Konzils bereits vorwegnahm.
"Es war alles zu früh"
Dass man mit Konzepten für ganglose Wohnraumschulen, die in der heutigen Diskussion um Ganztagsschulen wieder hochaktuell wirken, ebenso vergeblich hausieren ging wie mit Verbesserungsvorschlägen für den damaligen "unsozialen sozialen Wohnbau", erklärte Kurrent heute damit: "Es war alles zu früh." Was auch auf ihre "Wiederentdeckung" von Otto Wagner, Adolf Loos und Josef Hoffmann (der erst 1956 starb) zutrifft, die international erst Jahrzehnte später entsprechend gewürdigt wurden. Immerhin kommt man im Az W mit dieser Ausstellung nicht zu spät. Die drei jungen Herren, deren Foto eine Stirnseite des Ausstellungsraumes in Riesen-Starschnitt-Größe ziert, scheinen es mit Wohlgefallen zu betrachten. Auf der anderen Seite des Tisches kann man in Video-Interviews hören, was sie Jahrzehnte später zu sagen haben. (APA)
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