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Kunst: Teure Spatzen in Salzburg

21.08.2010 | 18:16 | von Sabine B. Vogel (Die Presse)

Salzburgs Galerien nutzen den Ansturm eines kunstsinnigen Publikums während der Festspielzeit. Die meisten setzen auf Altbewährtes.

Alle haben es einmal versucht oder zumindest in Erwägung gezogen: die temporäre Galerie in Salzburg. Denn während der Festspieltage strömt das Kulturpublikum durch die Straßen – so viele reiche Kunstliebhaber sind sonst selten gleichzeitig und in so entspannter Stimmung anzutreffen. Aber geeignete Räume in zentraler Lage zu mieten ist nicht leicht, und so kommen die auswärtigen Galerien höchstens als Gäste. Lediglich Heike Curtze präsentiert hier im Sommer die Künstler ihrer Galerie, dieses Jahr Tomak, Arnulf Rainer, Christian Ludwig Attersee.


„Mozarteische“ Kunst. Die in Salzburg ansässigen Galerien wählen ihre Ausstellungen passend für diese Saison aus – was meist Altbewährtes bedeutet, wie etwa die Galerie Welz, die seit 1909 im Palais Kuenburg residiert. Mit den farbenfrohen Aquarellen, Zeichnungen und Ölbildern von Wolfgang Hollegha wird auf eine Position gesetzt, die Monsignore Otto Mauer vor gut 50 Jahren einmal als „mozarteisch“ bezeichnet hat, „das heißt: erhaben, ohne pontifikal zu sein“. Die Galerie Altnöder zeigt den „Hofmaler von Österreich, Italien und Siam“, wie sich Josef Karl Rädler selbst nannte. Der ausgebildete Porzellanmaler lebte 24 Jahre in Irrenanstalten, malte meist in Postkartengröße und versah seine naiven Bilder mit spöttischen bis moralischen Botschaften. Mitte der 1960er-Jahre landeten seine Werke fast auf dem Müll – heute gehört er zu den frühen Vertretern der Kategorie „Art Brut“. Es ist ein schönes Statement der Galerie, den Außenseiter Rädler in der konservativ geprägten Festspielzeit zu zeigen.

Zeitgenössisches bietet etwa Mario Mauroner – und zeigt in seinen Räumen im Innenhof der Residenz die Gruppenausstellung „Dreams“. Die Werkauswahl ist sehr offen angelegt, umfasst Werke von Herbert Brandl, Brigitte Kowanz bis hin zu der humorvoll-politischen Videoinstallation des Spaniers Mateo Maté: Ein Offizier vor US-amerikanischer Flagge hält im militärischen Tonfall eine Rede, in der er das Rezept vom „Thanksgiving Turkey“ vorträgt, was aber wie ein Angriffsplan auf die Türkei klingt.


Kogler im Kleinformat. Die Galerie Thaddaeus Ropac nutzt Daniel Richters Salzburger Bühnenbildauftrag und steigert die Präsenz des deutschen Malers mit einer Einzelausstellung am Mirabellenplatz. Der Titel „Spagotzen“ – also Spatzen – ist fröhliches Understatement, denn zu sehen sind Großformate zu Spitzenpreisen. Zusätzlich zeigt auch das Rupertinum Werke Richters. „Ich bin hier in der eitelkeits-schürenden Situation, gleich dreimal in der Stadt zu sehen zu sein, das ist toll, aber peinlich“, kommentiert Richter diese Allgegenwart.

Salzburg ist sowieso nicht als Stadt der Experimente bekannt. Aber gerade in der Festspielsaison gehen die Galerien auf Nummer sicher. Nach den großformatigen Fotografien von Axel Hütte übergibt Nikolaus Ruzicska seine Ausstellungsräume in der Faistauergasse an Peter Kogler. Kogler, dank seiner Großprojektionen am Hauptbahnhof in Graz oder in der Autostadt Wolfsburg bekannt, tritt in Salzburg bescheiden auf. Keine raumfüllende Installation, keine Fassadenverkleidung, sondern kunstmarkttaugliche Skulpturen und Kleinformate: Die quadratischen Lackbilder auf Aluminium sind besprayt mit stilisierten Motiven. Ameise, Gehirn, Glühbirne und Weltkugel – Koglers bekanntes Bildrepertoire, diesmal allerdings nicht als psychedelische Ornamente, sondern als Einzelbilder. Im allseits Bekannten die Veränderungen zeigen – das könnte das Motto der Salzburger Galerien während der Festspielzeit sein.

Galerie Altnöder: Josef Karl Rädler, bis 11.September.
Galerie Heike Curtze:
Arnulf Rainer, bis 29.August.
Galerie MAM Mario Mauroner
: Dreams, bis 31.August.
Galerie Nikolaus Ruzicska: Peter Kogler, bis 18.September.
Galerie Thaddaeus Ropac: Daniel Richter, bis 28.August.
Galerie Welz: Wolfgang Hollegha, bis 4.September.


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