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Die Ordnung durchkreuzen

19. Oktober 2011 19:20
  • Artikelbild: Clemens Wolfs Objekte verschleiern ihre Absichten: In transparentem 
Acrylglas gibt dieser Bauzaun vor, "unsichtbar" zu sein.  - Foto: Wolf

    Clemens Wolfs Objekte verschleiern ihre Absichten: In transparentem Acrylglas gibt dieser Bauzaun vor, "unsichtbar" zu sein.

Löcher und Gitter beschreiben das Prinzip seiner Arbeit: Clemens Wolf spielt in der Galerie Steinek mit der regelnden Struktur seiner Materialien und übt sich in Zuwiderhandlungen - "Holes n' Grids"

Wien - In einer Arbeit von Clemens Wolf verweist der österreichische Künstler gleich auf zwei Redensarten: Einen Sportkäfig am Margaretengürtel überzog er 2010 mit goldener Farbe und titelte wahrheitsgemäß Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn die benutzte Farbe gibt nur vor, mit dem Edelmetall verwandt zu sein; im Laufe der Zeit wird sie verwittern und abblättern. Auch auf den zweiten Blick spricht Wolf wahre Worte. Der vermeintliche Freiraum mitten im Urbanen entpuppt sich als "goldener Käfig", der Freiheit ganz genau abzirkelt.

Tatsächlich mit 24 Karat Blattgold überzogen hat der 30-jährige Künstler ein verzinktes Gitter für die letzte Art Cologne: Mit dem Titel Opened Space erzeugt Wolf neuerlich Spannung, verweist auf den Widerspruch zwischen der verschließenden Funktion eines Gitters und der Öffnung, die Wolf hineingeschnitten hat. Eine Drahtschere am Boden ist Beweisstück des Ungehorsams. Und damit ist man beim Titel seiner aktuellen Ausstellung in der Galerie Steinek: Holes n' Grids.

Löcher und Gitter beschäftigen Wolf motivisch vor allem in seiner skulpturalen Arbeit, an der er zunehmend Gefallen findet. Im Grunde ist es aber auch Hauptprinzip seiner Arbeiten auf Leinwand. Für diese nutzt der Street-Art-erfahrene Künstler die Technik des Pochoirs, also der Schablonenmalerei. Aus Fotos von Bau- und Maschendrahtzäunen, Industrieruinen und Baugerippen generiert er die Schablonen für seine Bilder. Die dabei entstehende Unschärfe und Gegensätze zwischen der ordnenden Struktur der Zäune und dem Ornament der daran hochrankenden Pflanzen, sorgen für romantische Anklänge.

Aber auch die Schablonen selbst stehen neuerdings Pate für eigenständige Skulpturen: Die verzinkten Bauzäune etwa für ein Acrylglas-Objekt (the invisible, 2011) oder das Foto eines geflickten und damit die Symmetrie durchbrechenden Drahtzauns für ein Stahlobjekt. Arbeiten, die Ordnung anregend durchkreuzen.  (Anne Katrin Feßler / DER STANDARD, Printausgabe, 20.10.2011)

Bis 29. 10., Galerie Steinek, Eschenbachgasse 4, 1010 Wien

 

alessandro di aqua
20.10.2011 15:13
Toller Künstler!

Clemens Wolf´s Arbeiten sind wirklich zu empfehlen, hingehen und ansehen. Ich hoffe, dass man von ihm noch ganz viel hören wird.

20.10.2011 18:35

Und sehen...

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