Anlässlich der Veröffentlichung von Peter
Altenbergs Buch "Achanti" in der französischen Übersetzung von Miguel
Couffon ist in Paris vom 14. Februar bis zum 12. März 2002 eine
Ausstellung der Fotoserie "Xenografische Ansichten" der Wiener Fotografin
und Cineastin Lisl Ponger zu sehen.
Die Vernissage findet am Donnerstag in Anwesenheit der Künstlerin in
der Pariser Galerie des Editions Caracteres statt. Lisl Pongers Bilder
sind der Dialektik zwischen dem Thema des Fremden, des Ausländers und des
Vaterlandes gewidmet. Zu sehen sind gleichzeitig Ausländer in Wien und
Wiener, die in ihrer Heimat fremd sind. Die "Xenografischen Ansichten"
("Vues xenographiques") waren zuletzt im Vorjahr in einer Ausstellung des
Bildungszentrums der Arbeiterkammer in Wien zu sehen.
Fotos von Wiener Aktionen
Lisl Ponger, 1947 in Nürnberg geboren, besuchte die Fotoklasse an der
Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Sie machte Fotos bei
Aktionen von Otto Mühl, Hermann Nitsch und Peter Weibel. Von 1974 bis 1979
hielt sich Ponger in den USA und in Mexiko auf. 1998 sowie 2001 hatte
Ponger eine Gastprofessur für künstlerische Fotografie an der Universität
für Angewandte Kunst in Wien. 1988 wurde die Künstlerin, die Mitglied der
Wiener Secession ist, mit dem Österreichischen Förderungspreis für
Filmkunst ausgezeichnet. 1994 erhielt sie den Würdigungspreis.
Foto- und Film-Ouevre
Zu Lisl Pongers Arbeiten zählen u.a. die Fotobücher "Doppel... - Wien
1967-1972", Fremdes Wien (1993) sowie "Xenographische Ansichten" (1995).
Zuletzt waren Arbeiten Pongers im Vorjahr bei der Künstlerhaus-Ausstellung
"Du bist die Welt" zu sehen. Zu ihren Film-Arbeiten zählen u.a. "Passagen"
(1996) sowie "deja-vu".
Altenbergs "Menschlicher Zoo"
Das Buch "Achanti" enthält 37 Skizzen, in denen der Wiener Dichter
Altenberg (1859-1919) einen "menschlichen Zoo" geschildert hat, der in den
Jahren 1896 und 1897 in Wien zu sehen war. Im Prater-Zoo lebten in den
beiden Jahren - umgeben von wilden Tieren und Affen - 70 schwarze
Ureinwohner des Volksstammes Achanti aus Guinea einen Monat lang in einem
ihrer Heimat nachgebildeten Dorf.
In der französischen Ausgabe des Verlags "Les Editions Caracteres"
wurden auch neun kleine Tempera-Malereien abgedruckt, die der Maler
Wilhelm Gause zur Achanti-Ausstellung angefertigt hatte. Der Übersetzer
Miguel Couffon hat zu dem Buch eine Einleitung geschrieben, in dem der
"menschliche Zoo" beschrieben wird. Außer Altenberg übersetzte Couffon
auch Ingeborg Bachmann, Marlen Haushofer und Ilse Tielsch. Er schrieb über
Altenberg weiters eine Doktorarbeit.