| Ein Vorbild für Manhatten | |
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In US-Medien wird das Österreichische Kulturforum in New York sowohl wegen seiner spektakulären Architektur als auch wegen seiner Funktion als staatlich finanzierter Vermittler von Kultur behandelt. |
Das Time-Magazin
charakterisiert den Architekten folgendermaßen: "Niemand würde ihn als
jemanden bezeichnen, der Kompromisse macht. Aus Protest gegen die
Koalitionsregierung unter Beteiligung der Freiheitlichen Partei von Jörg
Haider hat er kürzlich auf seine österreichische Staatsbürgerschaft
verzichtet." Das Konzept des Architekten für das Bauwerk in Manhattan wird
so beschrieben: "Das Design hat nichts von "Sound of Music" an sich, außer
wenn man an die Musik von Schönberg denkt. Es bezieht sich stattdessen auf
Adolf Loos und Otto Wagner, die großen Persönlichkeiten der Wiener
Moderne...". Das steil abfallende Profil des Gebäudes wecke allerdings
Assoziationen an "einen Steilhang, auf dem Abraham in seiner Jugend
vielleicht Ski gefahren ist.". Vorbildwirkung
Das schmale Gebäude wird von "Time" sogar als mögliches Vorbild für
weitere Projekte in Manhattan gesehen. "Die Stadt steht vor ihrer
wichtigsten stadtplanerischen Entscheidung in vielen Jahren, nämlich was
an Stelle des zerstörten World Trade Centers errichtet werden soll.
Abrahams kleine Rakete eines Gebäudes zeigt nicht nur, dass Österreichs
Kultur lebt sondern auch dass die City von New York vielleicht wieder neu
geboren werden kann". Staatliche Kulturpolitik Die New York Times
hat in ihrer Wochenendausgabe über das österreichische Kulturinstitut
ausführlich berichtet. Dabei porträtiert die Times die staatlich
finanzierten Kulturinstitute von europäischen Ländern in New York und
stellt dies den USA gegenüber, die die Kultur nicht als diplomatisches
Instrument nützen. "Mit einer steilen durchschnittenen Glasfassade, die
wie die Klinge einer Guillotine zu fallen scheint, ist das Österreichische
Kulturforum eines der beeindruckendsten Gebäude, die in den vergangenen
Jahrzehnten in New York errichtet wurden. Es ist auch eine dramatische, 29
Millionen Dollar teure Verkörperung, wie Nationen Kultur benützen um ihr
Image aufzupolieren". Außenposten der Habsburg-Erben "Kulturelles Prestige ist immer den Truppen und dem Handel gefolgt, als
Maßstab für den Einfluss einer Nation", schreibt die Times. Auch nach dem
Zerfall des österreichisch-ungarischen Reichs 1918 habe die Förderung des
künstlerischen Erbes dieser "kleinen alpinen Nation" das kulturelle
Ansehen bewahrt. Jahrzehntelang habe Österreich seine nationalen
Kulturschätze wie die Staatsoper, die Wiener Philharmoniker und die
Salzburger Festspiele beworben. Nun werde das Kulturinstitut in New York
zu einer "überragenden neuen Außenstelle in Amerika". Gebaute Antwort auf Waldheim Mit der Entscheidung zum Bau Mitte der 80er Jahre habe Österreich
versucht, aus der internationalen Isolation auszubrechen, die durch die
Enthüllungen über Bundespräsident Kurt Waldheim verursacht wurde, der in
einer Armeeeinheit gedient hatte, die in Nazi-Verbrechen verwickelt
gewesen sei. "Ein Weg um das Land in einem besseren Licht erscheinen zu
lassen wäre die Errichtung eines architektonisch bedeutsamen Gebäudes im
Zentrum von Manhattan, wurde entschieden", so die New York Times. Klischeefreie Zone Das Magazin "The New Yorker" lobt die Konzeption des schmalen hohen
Gebäudes in der 52. Straße. "Splitter-Gebäude sind üblicherweise
mittelmäßige Appartment-Häuser, die auf die Grundstücke von winzigen
Stadt-Häusern gezwängt werden. Das 24-stöckige Österreichische
Kulturforum....ist das erste ,Splitter-Gebäude', das eine ernsthafte
Architektur darstellt. Das schmale Grundstück ist so brillant genutzt,
dass man sich das Gebäude nirgendwo anders vorstellen kann". "Die Österreicher wollten ein Gebäude, das ein klischee-freies Bild
ihres Landes zeigt", meint der "New Yorker". Der Architekt Raimund Abraham
habe nach den alten Regeln New Yorks gebaut, wonach sich hohe Gebäude nach
oben pyramidenförmig verjüngen. Das größte "visuelle Drama" stelle die
Front des Hauses mit Glas und Zink-Platten dar, die "den Himmel
schneiden". Gefährliche Architektur Das Zeitgeist-Magazin "Wallpaper" bezeichnet das Gebäude des
Kulturforums als "kreativen Block". "Trotz einer zehnjährigen Verzögerung
...triumphiert Abrahams Design mit Leichtigkeit über andere Institutionen,
die die ausländische Kultur bewerben wollen", heißt es. Im Auditorium wird
etwa ein Klavier über in der Wand gelagerte Schienen von der Decke nach
unten auf die Bühne transportiert. "Ich wollte ein Gefühl der Gefahr",
wird Architekt Abraham zitiert. Das "Drama in seiner Architektur" sieht er
im "Zusammenprall einzelner Elemente". | ||||